Was wirklich noch fehlt im Maschinenpark des 21. Jahrhunderts, ist die Zeitmaschine. Ich gäbe viel dafür, eine solche besitzen oder auch nur benutzen zu können. Eine Zeitreise zu den Dinosauriern, eine Wanderung um den See Genezareth mit ein paar Jüngern Jesu oder eine spontane Expedition in die Zukunft (falls erforderlich, gern mit gültigem Impfpass der Gegenwart) wären doch, um mit Mister Spock zu sprechend, faszinierend. Wären sie nicht? Ob ich mir auch die Geburt unseres Universums live und fußfrei in der ersten Zuschauerreihe geben würde, sei dahingestellt. Über die Urgewalt dieses Ereignisses gehen die Vorstellungen auseinander.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Nun werden Leser, die im Physikunterricht in der Schule gut aufgepasst haben, einwenden, ein solcher Apparat sei leider nicht konstruierbar, geschweige denn praktisch herzustellen. Die Zeitmaschine in Fahrtrichtung Zukunft ist seit Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie immerhin theoretisch denkbar (Stichwort: Zeitdilatation), jene in die Gegenrichtung, also in die Vergangenheit, eher unmöglich. Wobei seit dem Österreicher Kurt Gödel viele Koryphäen daran gearbeitet haben, doch noch Mittel und Wege zu finden. Die Wissenschaft ist sicher: Für Photonen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, oder im Gravitationsschlund eines Schwarzen Lochs verhält es sich mit dem Raum-Zeit-Kontinuum anders, als es unsere Erfahrung und unser Verstand sagen. Ganz anders. Die Zeit hört dann förmlich auf zu existieren. Und da reden wir noch gar nicht von Paralleluniversen, Wurmlöchern und kosmischen Strings.

Der US-Astrophysiker J. Richard Gott - der Name ist ein wahrlich göttlicher Zufall - hält dazu eine Anekdote parat: Im Gespräch mit Einstein zückte ein Kollege sein Notizbuch. "Was ist das?", fragte Einstein. "Ein Notizbuch", so die Antwort, "in das ich sofort jeden wichtigen Gedanken schreibe." Darauf Einstein: "Ich habe nie ein Notizbuch benötigt. Ich hatte in meinem ganzen Leben nur drei gute Ideen." Die Moral der Geschichte? "Ich denke", so Gott, "wir warten auf einen neuen guten Einfall."

Dabei gilt der alte Spruch: Be careful what you wish for. Man wundert sich ja gar nicht mehr, wenn man - wie ich dieser Tage im Magazin "Science Alert" - davon liest, dass auch der Teleporter aus "Raumschiff Enterprise" immer mehr Gestalt annimmt. Zumindest als Möglichkeit. Denn Wissenschafter des California Institute of Technology konnten nun Quantenstrukturen über eine Entfernung von 44 Kilometern mit 90-prozentiger Datenpräzision übertragen. "Eine Schlüsselinnovation der Kommunikation der Zukunft", wird der Physiker Panagiotis Spentzouris zitiert.

Dass Kollegen in China zeitgleich einen Quantencomputer in Betrieb nahmen, der 100 Billionen Mal (!) schneller rechnen soll als die uns bisher zur Verfügung stehenden Supercomputer, übersteigt dann schon unseren Verstand. Zumindest meinen. Nur so viel ist mir jetzt schon klar: Das wird noch ein ordentlicher Wettlauf gegen die Zeit, in dem neue technische Möglichkeiten den Untergang der Welt, wie wir sie kennen, verhindern helfen. Mag niemand eine Zeitmaschine erfinden, die uns ein paar Jahrzehnte mehr Spielraum gibt?