Ganz Österreich, ja ganz Europa, vielleicht sogar die ganze Welt (zumindest der Teil, der es sich leisten kann) fragt sich zur Zeit: "Haben wir genügend Impfdosen?" Und wenn ja: Wie und wo lagern wir die? Und wenn wir dann wissen, wie viele Impfdosen wir haben, und auch einen Plan haben, wo wir sie wie lagern, bleibt noch die Frage: Wie verteilen wir sie?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Merke: Die Impfdose ist immer ein Problem: Ist sie abwesend, muss sie dringend herbeigeschafft werden. Ist sie dann da, muss man sie irgendwo verstauen. Und hat man sie endlich erhalten und erfolgreich untergebracht, muss man sie gleich wieder verteilen. Und dann stellt sich die Frage: Wollen die Menschen sie überhaupt haben? Und hilft das Doserl eigentlich auch gegen das mutierte Virüschen?

Angesichts der Debatte über die Impfdose stellen sich dem Satiriker aber auch ganz andere Fragen. Welche Form haben Impfdosen eigentlich? Darf man sich die vorstellen wie Konservendosen aus schlichtem Weißblech? Oder ist eher die Bierdose das Role Model der Impfdose? Alkoholiker würden das zweifellos begrüßen. Könnten sie doch in Ruhe weiter in aller Öffentlichkeit saufen und jeden tadelnden Blick abwehren mit einem empört-gelallten "I tu mi grad impfen. Schlu... schlu...schluckimpfung!".

Vielleicht ist die Impfdose aber auch der Zigarettendose nachempfunden und man kann sie lässig auf Abendgesellschaften präsentieren, wo der Herr von Welt angesichts der Dame seines Begehrens mit einer geschickten und gut geübten Handbewegung die reich verzierte Dose aus der Innentasche hervorzaubert, sie elegant aufspringen lässt, ihr tief in die Augen blickt, den Inhalt anbietet und einer sonoren Stimme sagt: "Impfen Sie?"

Aber das ist natürlich ein Schmarrn. Es gibt ja keine Abendgesellschaften mehr. Obendrein steht zu befürchten, dass die hiesige Männlichkeit eher so was sagen würde wie: "Magst di von mir stechen lassen?" Und dann hilft auch das filigranste Impfdosendesign nicht mehr weiter.

Weiters ist zu klären, was mit den verimpften Impfdosen passieren soll? Werden die recycelt? Der Gesundheitsminister ist ja ein Grüner (manche würden vielleicht sogar sagen, selten hatten wir Minister, die so grün waren), da stellt sich die ökologische Frage: Gibt es ein Impfdosenpfand? Oder kann die Bevölkerung bald auf Impfdosenschießen im Wurstelprater hoffen? Sind die Leute, die die Impfdosen aufmachen, dann Impfdosenöffner? Oder bleibt die Impfdose geschlossen und es kommt zu einer Spraydosenimpfung durch das Impfdosenspray? (Funfact: die Sprühdose heißt auch Aerosoldose. Na, wenn das nicht passt.)

Völlig ungeklärt ist auch die Rolle von Impfdosenfleisch und jene der Dose in ihrer Bedeutung als Landschaftsform (danke, Wikipedia, alles Gute zum 20. Geburtstag!), wobei die Dose ein kleines Moor in Nordwestdeutschland bezeichnet. Sind die Bewohner Niedersachsens also aufgrund des Vorhandenseins von Impfdosen in der Nachbarschaft im Vorteil? Oder besteht eher die Gefahr, dass sie darin versinken, um dann später als Impfdosenleiche (immun, aber tot) wieder aufzutauchen?

Kurz gesagt, ich glaube, zweierlei ist festzuhalten. Erstens: Impfdosen sind komplexer als gedacht.

Und zweitens: Der Lockdown tut mir auf Dauer nicht gut.