Vorausgeschickt sei, dass mir Militarismus vollkommen fremd ist. Insofern habe ich eine Zeit lang nachgedacht, ob die Würdigung, die ich hier niederzuschreiben gedenke, angebracht ist. Oder missverstanden werden könnte. Denn es soll ja Menschen geben, die eine perverse Zuneigung zu Panzern, Kanonen, Düsenjägern und Kriegsgerät jeder Art empfinden - und sich derlei am liebsten in den Vorgarten stellen würden. Wie gesagt: Ich zähle nicht dazu. Folgerichtig war ich einst Zivildiener, nicht Soldat. In meinen Augen ist ein vorbeirasselnder Tank ein fahrender Stahlsarg und monströses Mordwerkzeug. Bei Militärparaden glänze ich durch demonstrative Abwesenheit.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Dennoch kamen unerwartete Gefühle auf, als ich dieser Tage vom letzten Flug einer Saab 105 OE las. Es handelt sich dabei um einen Jet des österreichischen Bundesheeres, der ausgemustert und in den "Hangar 7" von Red Bull in Salzburg überstellt wurde, wo er die nächsten Monate über zu besichtigen ist. Was mit dem Rest der hartnäckig flugtauglichen Maschinen passiert - das Heer hatte bis Ende 2020 noch zwölf Exemplare in Betrieb -, ist vorhersehbar: Sie werden ebenfalls in Museen landen. Oder als bizarre Plastiken und Schaustücke in Bundesländer-Kreisverkehren und Flughafen-Besucherparks enden.

Das war auch das Schicksal der Vorgänger der Saab 105, darunter De Havillands doppelschwänzige DH 100 "Vampir", die berüchtigte Saab J-29F "Tunnan" (hierzulande vom Volksmund "Fliegende Tonne" getauft) und der imposante, aber schon beim Kauf veraltete "Draken", ebenfalls von Saab. Über das derzeit gebräuchliche Fluggerät, das vom strengen Duft von Korruption und Geldverbrennung umweht ist, sei der Mantel des Schweigens gebreitet. Politik und Generalstab äußern sich zum Thema "Luftraumsicherung" seit jeher verschämt und widersprüchlich. In Wahrheit war man froh, dass die 1970, also vor einem halben Jahrhundert in Dienst gestellten Schwedenbomber so lange klaglos ihren Dienst taten. Für die vorgeblichen High-Tech-Nachfolger kann man sich kaum das Kerosin leisten.

Leichtes, flexibel verwendbares, vor allem aber kostengünstiges Gerät wäre gerade jetzt wieder angesagt. Ob man sich zu Vernunft durchringt? Die Saab 105 OE war wahrscheinlich nicht gerade die ultimative Abschreckung für böse Eindringlinge, angeblich war sie nicht einmal schnell genug, um Passagierjets abzufangen. Aber gerade ihr zurückhaltender, leicht pummeliger, nachgerade unmilitärischer Auftritt - der Hersteller entwickelte die Variante auf Basis eines zivilen Geschäftsflugzeugs - machte sie so sympathisch. Dicke Hosen trugen die Piloten anderswo. Sie ließen uns ein halbes Jahrhundert lang dennoch in Frieden, trotz - oder gerade wegen? - der Rübenbomber, deren Erstentwurf bis in die Fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreichte.

Jedenfalls empfand ich immer eine gewisse Sympathie für diese Maschinen, dazu musste noch nicht mal die Kunstflugstaffel des Bundesheeres ("Karo As") über meinen Bubenschädel hinwegbrausen. Fünfzig Jahre treue Dienste haben eine sanfte Landung verdient. Man darf es ruhig eine Ära nennen, nicht die schlechteste.