Wir sind nicht mit Maske auf die Welt gekommen, schreit die aufgeregte Frau mit voller Kraft ins Megafon und irgendwie finde ich das schon sehr lustig, weil mit Jeans und Parka und Megafon vorm Mund ist sie ganz offenbar sehr wohl geboren worden. Covid-Alltag in Wien. Die einen sind hysterisch, die anderen zumindest schmähstad und saumüde.

Ich fühle mich sowohl da als auch dort nicht wohl.

Wo war noch mal dieses Cafe Anzengruber? Die Wiener gewöhnen sich an alles, nur nicht an den Verlust des Stammlokals. Das weiß sogar der Bürgermeister und deshalb hat es damals gleich auch einen Schnitzel-Fünfziger gegeben. Oder war's ein Schnitzel-Zwanziger? Nicht einmal das kann ich mehr mit Bestimmtheit sagen. Ich habe den Gutschein gleich an die Obdachlosenhilfe weitergereicht, einerseits weil man das so macht als Mensch mit Herz und Hirn und halbwegs einem Girokonto, andererseits weil ich dachte, der Dreck wird wohl bald vorüber sein. Mittlerweile denke ich das nicht mehr. Wer will schon leben wie in Nordkorea? Wenigstens haben wir nicht alle die gleichen Anzüge an.

Insgeheim beneide ich die kleine Gruppe von Bierbäuchen, jeder eine Dose vom Besten in der Hand, um ihre Zuversicht. Gleich geht die Demo los, vorher stoßen sie noch auf die Zukunft an.

Einer von ihnen bemerkt instinktiv, dass ich breit grinse unter meiner Maske. Er starrt mich an, als ob er ein Bullterrier wäre. Ich starre zurück, als ob ich ein Bullterrier wäre. Werden wohl keinen älteren Herrn verprügeln, nur weil er blöd schaut, denke ich. Dann gehe ich weiter. Hat keinen Sinn. Irgendwann hat sogar Hansi Orsolic begriffen, dass man mit der Faustwatsche keine Probleme lösen kann. Mir war das schon als Kleinkind klar. Als ich hinter mir Geräusche höre, gehe ich ein wenig schneller.

Gleich am nächsten Tag habe ich mich für die Impfung angemeldet. Das wird zwar jetzt keinen groß interessieren, weil ich weder Kardinal noch Künstler bin, aufgeschrieben habe ich diesen Satz gerade eben trotzdem sehr gerne. Die Aussicht auf eine Impfung gibt mir Hoffnung. Da ich nicht unbedingt an die Kraft der Kirche glaube, muss ich zumindest der Wissenschaft vertrauen.

Ansonsten bleibt nicht viel über von mir. Ein Freund fragt, welche Blutgruppe ich habe. Keine Ahnung. Die Hoffnung reicht zum Happy-sein. So ein Mensch bin ich.