Lockdownbedingt könnte man aktuell auch an Petrus Gonsalvus (geb. 1556) denken, der als frühestes Beispiel eines sogenannten "Haarmenschen" gilt. - © Ambras Castle, Public domain, via Wikimedia Commons
Lockdownbedingt könnte man aktuell auch an Petrus Gonsalvus (geb. 1556) denken, der als frühestes Beispiel eines sogenannten "Haarmenschen" gilt. - © Ambras Castle, Public domain, via Wikimedia Commons

Lassen Sie uns über Haare sprechen. Haare sind wichtig, um Haarschnitte allerdings ist es lockdownbedingt derzeit nicht gut bestellt. Zuletzt etwa musste ich bei einem Videotelefonat kurz darüber rätseln, ob es sich bei meinem Gegenüber noch um meinen über die Jahre vertraut wie ein Einrichtungsgegenstand gewordenen alten Freund aus der Schulzeit handelte oder nicht doch um den bei seiner Himalaya-Expedition im Jahr 1986 von Reinhold Messner gesichteten Yeti - oder zumindest um Reinhold Messner selbst, nach einer Erstbesteigung ohne mitgebrachten Rasierer.

Aber auch der historisch mittelgut überlieferte Haarmensch fiel mir ein. Der in dunklen Zeiten als Jahrmarktsattraktion ausgestellte arme Kerl, der unter der von der Wissenschaft erst später erforschten Hypertrichose litt, einer Form des unkontrollierten Wildwuchses an dafür ungeeigneten Stellen, wurde als "Kuriosität" aus Fleisch und Blut (und Haaren) auch am Hofe "gehalten". Bevor wir uns wieder dahin zurückentwickeln (die Richtung stimmt!), keimt ein gewisser Hoffnungsschimmer derzeit aber in Form von FFP2-Masken auf. Diese bieten etwa in Kombination mit zünftigen Wurzelsepp-Bärten schlicht nicht genug Schutz vor einer möglichen Virus-Übertragung. Wie oft der Wurzelsepp und der Yeti eine FFP2-Maske benötigen, um damit ein Öffi zu benützen oder einkaufen zu gehen, ist nicht bekannt, sicher ist - schnipp-schapp! -, der im Trendviertel umgehende Hipster gilt jetzt als gefährdet.

Dass es sich dabei um die Rache von Jungpolitikern mit glatter
Babypopo-Haut im Gesicht handeln könnte, ist ein böses Gerücht. Jedenfalls dürfte das Sammeln von Sympathiepunkten zunehmend schwierig werden, wenn man geschniegelt wie einst Grace Kelly vor die Kamera schwebt, während die Wählerschaft beim Fettwerden auf der Couch einen nicht enden wollenden bad hair day erlebt und allfälligen Spiegeln bereits großräumig ausweicht.

Nicht von ungefähr ermahnte zuletzt auch der "Zentralverband Friseurhandwerk" den DFB, dass die Frisuren im deutschen Profifußball zu akkurat seien. Der Druck auf Dienstleistende, ihrem Beruf somit auch unter Rückgriff auf Ottonormalverbraucher illegal nachzugehen, werde dadurch zu groß. Wobei man im Grunde nur nach den richtigen (Anti-)Role-Models suchen müsste, die sich nicht so viel antun: Theo Waigel etwa, was die Augenbrauen betrifft, oder Simulationsforscher Niki Popper, der anscheinend auch keinen Unterschied macht, ob er jetzt ins "ZiB 2"-Studio geht oder daheim in die Werkstatt.

Ach ja, auch ein in den Nullerjahren berühmt gewordener (ehemaliger) Fellträger fiel mir nach dem erwähnten Videotelefonat wieder ein. Sensationelle sechs Jahre lang war das neuseeländische Merinoschaf Shrek damals der Schur entkommen, danach gab es Wolle für zwanzig Anzüge.