Auf den Social-Media-Plattformen tobt ein Sturm. Wahlplakate der Grünen aus dem Nationalratswahlkampf 2019 - "Wen würde der Anstand wählen?" - erfreuen sich eines neuen Kontexts mit Bildern von kleinen Kindern mitten in der Nacht. Keine Ahnung, ob es den Hashtag #wegvondengruenen schon gibt, aber lange kann es nicht mehr dauern.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Denn es ist für jeden Menschen, der aus seinem Herz keine Fremdenrechtsnovelle machen will, unverständlich (vulgo: zum Speiben), dass dem kleinen Koalitionspartner nichts anderes einfällt, als "Menschlichkeit" über die sozialen Medien zu fordern und kniawache Erklärungen à la "das geht nicht" bei Pressekonferenzen abzugeben. Denn es geht eben doch. Einfach so. Um 4 Uhr Früh. Sieht man doch.

Machtversessene Grüne scheinen das zu sein, die ihre Prinzipien über Bord geworfen haben. Und, ja, der Nackenwirbel von Frau Maurer möchte man nicht sein. Zu viel Arbeit. Genauso möglich ist es aber, dass das alles ein zynisches Spiel der ÖVP ist. Der Innenminister reizt den Koalitionspartner so lange, bis der genervt das Handtuch wirft. Schließlich könnte das grün geführte Justizministerium in den Angelegenheiten BVT und Ibiza und Plagiatsaffären und Schreddern und und und langsam aber sicher an die richtig heiklen Bereiche dran kommen. Deshalb einmal Kinder abschieben. Das halten die Grünen nicht aus.

Der christlich-soziale Flügel der ÖVP dagegen schon. Schließlich leben die "Christlich-Sozialen" mit dem rechtsnationalen Teil in einer parteiinternen, krankhaften Beziehung. Häusliche Gewalt hat ja in der Pandemie zugenommen, und die Volkspartei spielt das in den eigenen Reihen nach. Da kommt der sehr patriotische, besoffene "Österreich!"-brüllende Vater nach Hause, die christlich-soziale Ehefrau bittet, die Kinder zu schonen und... - am nächsten Tag, wenn er außer Haus ist, erklärt sie, mit blauen Flecken übersät, der verwunderten Nachbarin, dass er eigentlich "eh ein ganz ein Lieber ist". So scheint es in der Volkspartei zu zugehen. Und nicht nur dort.

Und die Kinder kriegen es ab. Werden abgeschoben. Nachts. In ein Land, das sie nicht kennen und dessen Sprache sie nicht sprechen. Um 4 Uhr Früh, und, als wäre das nicht genug, am Internationalen Holocaust-Gedenktag. Das ist kein Zufall, das ist eine Inszenierung.

Und dafür bewundert man ja Österreich weltweit: für diese virtuose Fähigkeit, ein Arschgeigerl zu sein, diesen Hang zur detailliert ausgearbeiteten, hinterfotzigen Gemeinheit.

Weg von den Grünen - das scheint vor allem der Volkspartei ein Anliegen zu sein. Nur: Wenn die Grünen jetzt nicht gehen, was kommt dann? Tofuverbot? Abschussprämien für Tiere von der Roten Liste? Alle Muslime müssen einen grünen Halbmond sichtbar tragen? Alles natürlich nach Recht und Gesetz . . .

Apropos: Österreich hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen am 26. Jänner 1990 unterzeichnet. Da steht im Artikel 3: "Das Generalprinzip der Orientierung am Kindeswohl verlangt, dass bei allen Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen das Wohlergehen des Kindes vordringlich zu berücksichtigen ist."

Bitte das jetzt auch umsetzen. Wenn es sein muss, um 4 Uhr Früh.