Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.
Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Zu den Dingen, die von weiter weg betrachtet nicht weiter erwähnenswert sind, aus der Nähe jedoch eine veritable Katastrophe darstellen, gehört es, wenn man Milch in den Kaffee gießt und sich umgehend weiße Bröckchen an der Oberfläche zeigen. Man hofft, dass es sich um Fett handelt ... Aber nein, viel Fett bleibt nach der Verarbeitung in der Molkerei nicht in der Milch zurück. Nein, es ist saure Milch, die den Kaffee verunstaltet: Immer mehr weiße Tüpfelchen tauchen aus der Tiefe auf und kreisen an der Oberfläche. Da hilft nichts, der Kaffee muss in den Ausguss.

Kaffeetrinken unterliegt der Mode. Aber ich koche meinen Kaffee trotz der weltweiten Bemühungen von George Clooney immer noch mit einer Espressokanne auf dem Herd. Früher dachte ich, Kaffee ohne Milch sei ungenießbar, doch vor ein paar Jahren habe ich aufgehört, Milch zum Kaffee zu nehmen. Die Bauern kann das natürlich nicht freuen. Und so kommt es vor, dass eine Literpackung erheblich länger als bis zu ihrem Ablaufdatum im Kühlschrank bleibt.

Letzthin war es so, dass die Frischmilch am 26. 1. gerade noch "gut" hätte sein müssen, aber am 27. 1. schon hätte sauer sein dürfen. Allein, sie war am 31. 1. immer noch unbröckelig und schmeckte, wie Milch schmecken soll. Ich verwendete sie im Knödelteig. Die Milch hatte fünf Tage über das Ablaufdatum hinaus tadellos gehalten. Wer weiß, vielleicht wäre sie am 1. 2. immer noch in Ordnung gewesen. Als ich noch Milch in den Kaffee goss, hat es das nie gegeben!

Frischmilch muss man heutzutage im Kühlregal suchen. Insbesondere auf dem Land gibt es nichts, was nicht ultrahocherhitzt worden wäre. Der moderne Mensch greift wohl aus Angst vor Milchbröckerln lieber zu Haltbarmilch. Frischmilch hält aber neuerdings so lange, dass ich stutzig wurde. Bei der Lebensmittelerzeugung habe ich einen Hang zu Verschwörungstheorien: Füllen die vielleicht auch ins Frischmilchpackerl ultrahocherhitzte Milch ab?

Auf dem Packerl stand eine Telefonnummer, also rief ich dort an und erklärte meinen Verdacht. Die junge Dame am anderen Ende lachte fröhlich und erklärte mir, dass die Welt sich seit den Zeiten geändert habe, in denen die Milch ständig sauer war. Erstens, sagte sie, sei es derzeit kalt, das tue der Haltbarkeit immer gut. Zweitens seien die Kühlketten besser geworden, und drittens müsse ihre kleine Molkerei aus dem Zillertal, wie jede andere Molkerei, ihre Frischmilch genau prüfen lassen. Und die Ergebnisse sind offenbar so zufriedenstellend, dass die junge Dame sich bedankte und anschickte, meinen Anruf einfach unter der Rubrik "verqueres Lob" abzulegen.

Die Verschwörung der Molkereien gegen die Frischmilchfanatiker gibt es also nicht.