Mich stört das überhaupt nicht, dass man beim Friseur nun einen negativen Corona-Test herzeigen muss. Und einen Ausweis. Und nachher weiß die Friseurin, wie man - wirklich - heißt (nicht Martha Musterfrau) und wie alt man ist. Speziell mit Letzterem haben andere allerdings offenbar ein Problem. Wegen dem Datenschutz. Ja, und der Freundin zum Geburtstag ein T-Shirt schenken, auf dem steht: "Ich bin 50, bitte helfen Sie mir über die Straße." (Könnte übrigens teuer werden, wenn einem jemand, mit dem man per Sie ist, der folglich aus einem anderen Haushalt stammt, tatsächlich über die Straße helfen würde. Das Unterschreiten des Mindestabstands von zwei Metern kostet demnächst 90 Euro, gell?)

Mir macht das freilich nix aus, das mit der Ausweiskontrolle. Ach, weil ich nichts zu verbergen habe? Weil ich eine Daten-Exhibitionistin bin, die sich über so ein T-Shirt freuen würde? Nein, weil mein nächster Friseurbesuch sowieso erst im August sein wird. August 2022, wohlgemerkt.

Echt? Bis dahin sind sämtliche Termine in den Teststraßen bereits ausgebucht? Wollen nach fast sechs Wochen Lockdown so viele zum Haareschneiden? Blödsinn. Ich geh eben bloß alle zwei Jahre zum Friseur. Ab Montag muss sich jedenfalls keiner mehr rechtfertigen, wenn er nicht ausschaut wie Niki Popper, ein Bergamasker Hirtenhund oder ich. Corona bringt ja bekanntlich laufend neue Neid-Arten hervor. Den Impfneid, Partyneid, Gondelneid, den - Frisurneid. Dabei hätte sich eh jeder eine Friseurin mit heimnehmen dürfen. Ist die "einzelne wichtige Bezugsperson", die man treffen darf, halt sie. Außerdem hab ich selbst heimlich als Friseurin gearbeitet. Einen Hausbesuch gemacht. Ich hab zwar keine Friseurlehre absolviert, aber dafür hat der Heinz einen Haarschneider. Und jetzt eine Skinhead-Frisur. (Gut, die mach ich ihm seit zehn Jahren.)

Die Regeln zu befolgen, ist natürlich nicht immer leicht. Grad wenn man glaubt, man hätte die Verordnung endlich verstanden, schreibt der Gesundheitsminister eine neue und man kann wieder von vorn anfangen mit dem Verstehen. Trotzdem haben das so viele geschafft, dass heuer anscheinend die Grippewelle ausfällt. Das ist der Beweis, dass die Maßnahmen wirken.

Und warum steigen die CORONA-Zahlen wieder? Weil Covid-19 KEINE Grippe ist. Logisch, oder? Hm. Maximal vier Erwachsene aus zwei Haushalten. Klingt eigentlich ganz simpel. (Umgekehrt - ZWEI Erwachsene aus VIER Haushalten - wär’s hohe Mathematik.)

Wobei: Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich mit meiner SCHWESTER im selben Haushalt wohne. In derselben Wohnung, ja. Doch auch im selben Haushalt? Wir essen nie gemeinsam und schon gar nicht dasselbe, jede hat ihren eigenen Fernseher, ihre Seife, ihre persönliche Klopapierrolle, wir waschen die Wäsche getrennt (okay, in derselben Waschmaschine) . . . - Friseurin dürften wir also vermutlich KEINE zu uns einladen. Das wären dann DREI Haushalte. Wird sich die Michi wohl oder übel testen lassen müssen. (Oh, den Coronaneid hab ich vorhin vergessen. Die Ex-Positiven ersparen sich nämlich ein halbes Jahr lang das Reintesten.) He, oder ich borg mir vom Heinz den Haarschneider aus.