Ich kann mich wahrlich nicht beklagen. Als Nebenher-Motorjournalist gondle ich, sofern nicht wieder ein Lockdown ansteht, mit allerlei Testfahrzeugen durch die Gegend. Darunter luxuriöse Droschken und Allerweltsautos, brave Familienkutschen und böse Sportwägelchen. Immer mehr Fahrzeuge im Fuhrpark sind elektrifiziert, entweder via Zusatzmotor in diversen Hybridvarianten - oder zu hundert Prozent, also vollelektrisch.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Dieser Trend entspricht der Realität am österreichischen Automarkt: Der brach zwar im Jänner neuerlich um 38,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein, legt aber bei den E-Mobilen kräftig zu - um denkwürdige 98 Prozent. Insgesamt machen Fahrzeuge mit "alternativen Antrieben" (so der Branchenjargon) bereits rund ein Drittel aller Neuzulassungen aus.

Aktuell ist es das erste Elektromodell von Mazda, das ich ausprobiere: der MX-30. Generell bin ich ein Bewunderer der Fähigkeiten und Fertigkeiten des vergleichsweise kleinen, im japanischen Hiroshima beheimateten Herstellers.

Er begann als Korkproduzent und feiert gerade sein 100-Jahr-Jubiläum. Ganz dem japanischen Streben nach Perfektion im Detail verhaftet, gibt Mazda seiner unternehmerischen Philosophie sogar Namen - von "Kodo", formvollendet elegantem Design, bis "Jinba Ittai", der Einheit von Pferd und Reiter, zu übersetzen am ehesten mit Harmonie. Mut zum Anderssein kann man den Ingenieuren der Mazda Motor Corporation jedenfalls nicht absprechen: Bis heute halten sie etwa am Wankelmotor fest.

Nun ist der MX-30 zweifelsohne ein schönes Trumm (das Kosewort soll sowohl etwas über die Größe des Fahrzeugs aussagen wie auch Respekt für das Design und das Interieur vermitteln). Und dennoch ist es das erste Fahrzeug von Mazda, dessen Konzept und Umsetzung ich nicht recht verstehe.

Das liegt nicht an den "Suicide Doors", also hinteren Türen, die originellerweise gegen die Fahrtrichtung öffnen - die hatte auch der RX-8 schon. Auch nicht an der freischwebenden Mittelkonsole oder am roten Kunstleder. Sondern an der irritierenden Reichweite des MX-30.

Die liegt nominal bei gerade einmal 200 Kilometern, bei der jetzigen Eiseskälte schmilzt dieser Wert allerdings rascher dahin, als einem lieb sein kann. Tatsächlich empfand ich das erste Mal in meinem Leben Reichweitenangst, weil ich meine Mutter in der Nähe von Retz in Niederösterreich besuchte. Irgendwo im Schupfen hat sie einen Starkstromanschluss, aber ich wollte ihn partout nicht suchen - und warf den Benzinmotor meines alten Opel an.

Gewiss: Die täglich durchschnittlich zurückgelegte Wegstrecke in Österreich, sagt die Verkehrsstatistik, liegt bei unter 40 Kilometern. Und das Bemühen bei Mazda um Umweltverträglichkeit ist lobenswert. Für ein reines Stadtfahrzeug oder einen Speckgürtel-Zubringer ist der MX-30 aber, sorry!, zu groß, zu schwer, zu halbherzig. Da helfen auch keine Kork-Applikationen im Innenraum. Ich würde also glatt zum konservativen Schwestermodell CX-30 greifen. Noch. Denn Mazda hat schon die Evolution der Revolution verkündet: mit Elektro- und Wankelmotor als Range Extender. Da werd’ ich dann wohl wankelmütig.