In Zeiten der Corona-Pandemie hat zumindest in einigen Lebensbereichen so etwas wie "neue Normalität" Einzug gehalten, etwa bei der Nahrungsversorgung: Der Anruf beim Lieferservice oder das Abholen der Wunschgerichte beim Wirt des Vertrauens sind Teil des Lebensrhythmus geworden.

Das Abholen fertiger Speisen war schon im alten Rom ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens, wenngleich aus ganz anderen Gründen. Der Durchschnittsrömer hauste nämlich in der Regel in einer mehrgeschossigen Mietskaserne ohne fließendes Wasser und mit äußerst eingeschränkten Kochmöglichkeiten; gut ausgestattete Küchen gab es nur in den Villen der Oberschicht, die sich auch eigene Privatköche leisten konnte, deren Kreativität legendär war.

Der einfache Mann hielt sich dagegen an die Fertiggerichte aus einer der zahllosen Garküchen und Imbissbuden, die es an jeder Straßenecke zu finden gab. Selbst in den Provinzstädten des römischen Imperiums herrschte eine Vorliebe für diese antike Variante des Fast Food. Erst jüngst wurde in Pompeji wieder eine solche Snackbar ausgegraben, deren guter Erhaltungszustand nun eine noch bessere Rekonstruktion eines derartigen "Thermopoliums" ermöglicht: Im L-förmigen Steintresen sind Tonkrüge eingelassen, in denen das Essen durch Feuer warmgehalten wurde. Die gelb bemalte Theke ist mit Bildern von Tieren, der Darstellung einer Alltagssituation und dem Abbild einer Nereide, einer Nymphe des Meeres, auf einem Seepferdchen, verziert.

Die abgebildeten Enten und ein Hahn waren wohl Tiere, die in der Verkaufsstätte angeboten wurden. In dem Steintisch sind außerdem Löcher eingekerbt, bei denen die Forscher davon ausgehen, dass darin die Lebensmittel zum Verkauf auslagen. Ein Forscherteam hat die konservierten Essenreste untersucht, um auf die kulinarischen Vorlieben der Antike zu schließen. Gefunden haben sie Hühnchen- und Entenknochen sowie Spuren von Schwein, Fisch, Schnecke und Ziege, Zeichen dafür, dass die Römer es abwechslungsreich liebten.

Bei den Arbeiten fanden die Archäologen auch menschliche Knochen, bei denen es sich ersten Erkenntnissen zufolge um die eines damals etwa 50 Jahre alten Menschen handelt, der vermutlich zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs von 79 n. Chr. auf einer Art Bett lag. Und es wäre nicht das lebensfroh-frivole Pompeji, wenn sich nicht auch eine deftige Ritzinschrift in der Snackbar finden würde: "Nicias schamloser Scheißer" ist, wörtlich übersetzt, in Latein eingeritzt.

Ob besagter Nicias der Betreiber des Thermopoliums war oder einfach ein Bekannter des antiken Witzbolds, wird vielleicht für immer ein Geheimnis bleiben.