Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Die Wünsche für die Zeit nach dem Lockdown oder aber nach der Impfung sind, je nach Person, unterschiedlich. Wieder einmal in die Lieblingspizzeria gehen, wieder einmal nach Italien fahren, wieder einmal dort in der Lieblingspizzeria die Lieblingspizza essen - oder endlich den Friseur aufsuchen. Natürlich ist Letzteres bei den meisten Männern nicht das Überdrüberproblem: Vorne, wenn da noch Haarwuchs vorhanden ist, ein wenig kürzen, auf der Seite ein bisschen was abschnippeln, alles in allem nicht die große Kunst; es empfiehlt sich allerdings, eine Büroschere zu verwenden, die Nagelschere greift hier zu kurz. Und falls man eh von zu Hause aus arbeitet, was soll’s!

Dass Frauen die Haarpflege und das ganze Drumherum eher Kopfzerbrechen bereitet, ist einzusehen. Glücklicherweise gab es kurz vor Bekanntgabe der neuen Friseurbesuchsregeln, als die Not am größten war, in diversen Medien Tipps für ganz Verzweifelte: Wie färbe ich mir die nachgewachsenen Grauzonen auf dem Kopf, wie lackiere ich die Fingernägel halbwegs professionell, soll ich ganz mutig sein und mir die Haare selbst schneiden?

Als ich kürzlich wegen eines Rezeptes beim Arzt war, stand vor mir in der Reihe eine Frau um die sechzig: angezogen wie aus dem Schachterl, blendend geschnittene Frisur, rotblonde Strähnen ins nussbraune Haar gefärbt, eine aparte Erscheinung.

Es entspann sich folgender Dialog mit der Sprechstundenhilfe: "Ich brauche dringend einen Untersuchungstermin." - "Wie wäre es mit kommendem Montagvormittag?" - "Da kann ich absolut nicht, da habe ich meinen Friseurtermin, auf den ich schon eine Ewigkeit warte." - "Dann geht es erst wieder ..." Die Sprechstundenhilfe suchte den Bildschirm nach einem anderen Termin ab. Die Dame: "Sie müssen verstehen, aber der Friseur ..." Vollstes Verständnis auf der anderen Seite der Theke. Klar, im Leben ist es wichtig, Prioritäten richtig zu setzen.

Für Kulturbeflissene hat das Museum Vorrang, Tierliebhaber freuen sich darüber, wieder einen Zoo besuchen zu können. Zu diesem Thema fanden sich kürzlich einige köstliche Zeilen in einer Tageszeitung. Zuoberst prangte das Foto eines putzigen Äffchens mit der Textierung "Tamarinen wollen bestaunt werden". Darunter lugte ein kleiner Bär vorsichtig hinter einem Baumstamm hervor - Bildtext: "Gespannte Vorfreude". Ich gehe auch gerne in den Zoo, aber ich habe mich immer gefragt, was die Tiere wohl von uns Menschen denken und halten. Ob sie tatsächlich bestaunt werden wollen oder sich gar auf den Besuch dieser Zweibeiner freuen, vermag ich beim besten Willen nicht zu sagen.

Was ich jedoch ganz sicher weiß: Ich würde mich unheimlich freuen, wieder ein paar Tage in Italien zu verbringen: Grado, Venedig, Perugia, ganz egal. Allen, die denselben Wunsch hegen, sei zumindest gesagt: Der italienische Gesundheitsminister heißt mit Vornamen Roberto - und mit Zunamen Speranza. Die Hoffnung auf einen Italienurlaub lebt also.