Manchmal kann man nicht anders. Wenn zum Beispiel der berühmteste Filzmaier Österreichs, Peter Politologe, in der "ZiB 2" sagt: "Wir erleben eine fortgesetzte Tragikomödie ‚Die Parteien und das liebe Geld‘", dann weiß man: Dieses Stück muss einfach geschrieben werden.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

We proudly present - Trommelwirbel - eine Produktion "der Verunreinigten Bühnen Österreichs" - Trommelwirbel lauter - Die Parteien - Fanfaren von links - und das liebe Geld - Fanfaren von rechts - eine Tragikomödie - Schlussakkord, Tusch, Vorhang öffnet sich.

Szene: Das Büro des Amtsträgers. Der sitzt an seinem Schreibtisch. Die Türe links öffnet sich. Die Käuflichkeit (sehr sexy) und die Wirtschaft (sehr gebeugt) treten ein.

Käuflichkeit: Guten Morgen! Die Wirtschaft hätte eine Bitte. Wegen eines Problems.

(Die Türe rechts öffnet sich, und der Anstand tritt ein.)

Anstand: Und das kann sie nicht selber sagen?

Käuflichkeit: Doch, aber bei mir klingt’s besser, oder?

Amtsträger (himmelt sie an): Stimmt.

Käuflichkeit: Obendrein geht’s ihr so schlecht, der Wirtschaft.

Anstand: Moment, das ist doch die Glückspielwirtschaft. Seit wann geht es denn der schlecht?

Wirtschaft: Immer! Dabei haben wir noch etwas Besseres vor. (Käuflichkeit und Wirtschaft öffnen einen Koffer, heraus springt die Spende.)

Spende: Hallo! Ich bin ganz unverbindlich.

Amtsträger: Mei ist die süß!

Anstand: Moment! Ich vermute da etwas. (Die Türe links öffnet sich erneut, die Vermutung tritt ein.)

Vermutung: Ja? Ich werde gebraucht?

Amtsträger: Und wie! Was vermuten Sie gerade?

Vermutung: Unschuld.

(Wirtschaft, Amtsträger, Käuflichkeit und Spende applaudieren begeistert. Der Amtsträger drückt auf eine Klingel, von rechts erscheinen Partei und Verein.)

Partei (deutet auf den Verein, den sie an einer Hundeleine führt): Den kenn ich nicht.

Verein: Ich bin total unabhängig! (Er sieht die Spende.) Ja, wen haben wir denn da? Komm zu mir! (Die Spende springt in die Arme des Vereins.)

Partei: Das hat nichts mit mir zu tun!

Anstand: Das werden wir gleich sehen. (Er pfeift auf einer Trillerpfeife, die Türe links öffnet sich, und der Rechnungshof tritt auf, mit Augenbinde.)

Rechnungshof: Ich soll etwas prüfen? (Er geht mit einem Blindenstock tastend an allen Beteiligten vorbei und fällt von der Bühne.)

Amtsträger: Der Rechnungshof hat sichtlich nichts zu beanstanden.

Anstand: Moment! (Er schnippt mit den Fingern, und von rechts treten zwei hünenhafte Kerle auf, die sich beide etwas desorientiert umsehen. Es sind: die Vorwürfe.) Es stehen Vorwürfe im Raum!

Amtsträger: Die schon wieder! (Er nimmt das Telefon, wählt und spricht:) Hallo? Kannst du mal kurz kommen? (Die Türe rechts öffnet sich, und eine Gestalt tritt ein, die dem Amtsträger aufs Haar gleicht.)

Anstand: Wer ist das?

Amtsträger und Käuflichkeit: Die Namensgleichheit!

(Kaum ist das gesagt, brechen die hünenhaften Kerle in sich zusammen.)

Amtsträger: Die Vorwürfe sind entkräftet!

Käuflichkeit, Wirtschaft, Spende, Partei, Verein und Amtsträger ziehen jubelnd ab. Zurück bleiben Anstand und Vermutung.

Vermutung: Darf ich raten, wen du wählst?

Anstand: Gusch, Depperte!