Manchmal kann man nicht anders. Wenn zum Beispiel der berühmteste Filzmaier Österreichs, Peter Politologe, in der "ZiB 2" sagt: "Wir erleben eine fortgesetzte Tragikomödie ‚Die Parteien und das liebe Geld‘", dann weiß man: Dieses Stück muss einfach geschrieben werden.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenwerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de
Severin Groebner ist Kabarettist und Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten"), alles Wissenwerte über ihn und von ihm gibt es unter http://www.severin-groebner.de

We proudly present - Trommelwirbel - eine Produktion "der Verunreinigten Bühnen Österreichs" - Trommelwirbel lauter - Die Parteien - Fanfaren von links - und das liebe Geld - Fanfaren von rechts - eine Tragikomödie - Schlussakkord, Tusch, Vorhang öffnet sich.

Szene: Das Büro des Amtsträgers. Der sitzt an seinem Schreibtisch. Die Türe links öffnet sich. Die Käuflichkeit (sehr sexy) und die Wirtschaft (sehr gebeugt) treten ein.

Käuflichkeit: Guten Morgen! Die Wirtschaft hätte eine Bitte. Wegen eines Problems.

(Die Türe rechts öffnet sich, und der Anstand tritt ein.)

Anstand: Und das kann sie nicht selber sagen?

Käuflichkeit: Doch, aber bei mir klingt’s besser, oder?

Amtsträger (himmelt sie an): Stimmt.

Käuflichkeit: Obendrein geht’s ihr so schlecht, der Wirtschaft.

Anstand: Moment, das ist doch die Glückspielwirtschaft. Seit wann geht es denn der schlecht?

Wirtschaft: Immer! Dabei haben wir noch etwas Besseres vor. (Käuflichkeit und Wirtschaft öffnen einen Koffer, heraus springt die Spende.)

Spende: Hallo! Ich bin ganz unverbindlich.

Amtsträger: Mei ist die süß!

Anstand: Moment! Ich vermute da etwas. (Die Türe links öffnet sich erneut, die Vermutung tritt ein.)

Vermutung: Ja? Ich werde gebraucht?

Amtsträger: Und wie! Was vermuten Sie gerade?

Vermutung: Unschuld.

(Wirtschaft, Amtsträger, Käuflichkeit und Spende applaudieren begeistert. Der Amtsträger drückt auf eine Klingel, von rechts erscheinen Partei und Verein.)

Partei (deutet auf den Verein, den sie an einer Hundeleine führt): Den kenn ich nicht.

Verein: Ich bin total unabhängig! (Er sieht die Spende.) Ja, wen haben wir denn da? Komm zu mir! (Die Spende springt in die Arme des Vereins.)

Partei: Das hat nichts mit mir zu tun!

Anstand: Das werden wir gleich sehen. (Er pfeift auf einer Trillerpfeife, die Türe links öffnet sich, und der Rechnungshof tritt auf, mit Augenbinde.)

Rechnungshof: Ich soll etwas prüfen? (Er geht mit einem Blindenstock tastend an allen Beteiligten vorbei und fällt von der Bühne.)

Amtsträger: Der Rechnungshof hat sichtlich nichts zu beanstanden.

Anstand: Moment! (Er schnippt mit den Fingern, und von rechts treten zwei hünenhafte Kerle auf, die sich beide etwas desorientiert umsehen. Es sind: die Vorwürfe.) Es stehen Vorwürfe im Raum!

Amtsträger: Die schon wieder! (Er nimmt das Telefon, wählt und spricht:) Hallo? Kannst du mal kurz kommen? (Die Türe rechts öffnet sich, und eine Gestalt tritt ein, die dem Amtsträger aufs Haar gleicht.)

Anstand: Wer ist das?

Amtsträger und Käuflichkeit: Die Namensgleichheit!

(Kaum ist das gesagt, brechen die hünenhaften Kerle in sich zusammen.)

Amtsträger: Die Vorwürfe sind entkräftet!

Käuflichkeit, Wirtschaft, Spende, Partei, Verein und Amtsträger ziehen jubelnd ab. Zurück bleiben Anstand und Vermutung.

Vermutung: Darf ich raten, wen du wählst?

Anstand: Gusch, Depperte!