Mein Büro ist dort, wo mein Laptop ist. Als Nomade der Neuzeit macht mir das nichts aus, im Gegenteil: Man ist zeitlich und örtlich herrlich flexibel. Im Idealfall kann man eine inspirierende Kulisse aufsuchen und es sich dort bequem machen. Eine Steckdose sollte halt verfügbar sein - und ein WLAN, also ein drahtloser Zugang zum Internet. Das ist heute nichts Besonderes mehr, Städte, Firmen und sogar Supermärkte, Burger-Ketten und Würstelstände bieten ihren Kunden frei zugängliche Funkfeuer. (Disclaimer: Aus Datenschutzgründen sollte man sie meiden, wenn man etwa Finanzminister ist.) Und trotzdem gilt, so man nicht gewillt oder fähig scheint, auch einmal auf seinem eigenen Smartphone einen sogenannten Hotspot einzurichten, die eiserne Regel: Wird dringend eine Verbindung gebraucht, kommt sie garantiert nicht zustande.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Das liegt selten am guten Willen der WLAN-Einrichter, angeblich auch nicht an der Netzabdeckung mancher Örtlichkeiten durch den Provider (obwohl ich da so meine Zweifel habe), sondern am undurchschaubaren Mysterium des Computerwesens. Gerade kann ich wieder ein Lied davon singen: Seit wir in unserem Geschäftslokal einen neuen Rechner installiert haben - einen MacMini mit M1-Wunderprozessor und "Big Sur"-Betriebssystem -, verweigert die Kiste regelmäßig den Kontakt zum hauseigenen Netzwerk. Gewiss kann man da online tausende Tipps nachlesen, was in Fällen wie diesen zu tun ist, aber sie wirken nur zeitweilig. Oder überhaupt nicht. Stutzig machte mich schon der Umstand, dass das erste Update von "Big Sur" mehrere Gigabyte umfasst, also Apple offensichtlich einmal mehr mit heißer Nadel Myriaden an Fehlern, Inkompatibilitäten und Lücken zu beheben versucht. Ist man ewig Beta-Tester? Lustigerweise funktioniert mit einem Billigsberger-Mobilmodem des Discounters ums Eck alles klaglos. Man steht - weil einem auch niemand erklären kann, woran’s liegt und was man falsch macht - wie ein Idiot da: die Standard-Rolle im komplexen IT-Rätselspiel des 21. Jahrhunderts.

Das Schneckentempo oder gar der Komplettausfall von Kommunikationsmitteln - forciertem 5G-Netzausbau und gebetsmühlenartig beschworener Digitaloffensiven zum Trotz - hat etwas vom simplen "Funkloch" früherer Tage. Auch darüber könnten Millionen Betroffene Volksweisen in Moll anstimmen. In den USA, las man neulich wenig erstaunt, hat ein 90-Jähriger zur Selbsthilfe gegriffen: Er schaltete in der Lokalzeitung um stolze 10.000 Dollar eine Anzeige mit dem AT&T-Chef als Adressaten, um eine brauchbare Daten-Bandbreite einzufordern. Exakt jene nämlich, die ihm das Unternehmen in vollmundigen Werbebotschaften versprochen hatte. Siehe da: Wenig später wurde dem Pensionisten ein Glasfaserkabel ins Haus gelegt - darauf hatte er circa seit seiner Lebensmitte gewartet.

Ich schreibe diese Zeilen übrigens in der Kantine des ORF-Funkhauses in Wien. Ich fürchte, für eine Zoom-Konferenz reicht das Handy-Netz nicht aus. Wird Zeit, dass sich auch der ORF ein öffentliches WLAN zulegt, das ohne vorauseilenden Papierkrieg zugänglich ist. Angeblich handelt es sich ja um ein Kommunikationsunternehmen.