Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.
Andreas Wirthensohn, geboren 1967, lebt als freier Lektor, Übersetzer und Literaturkritiker in München.

Ach ja, hätten wir nur auf die Astrolog:innen gehört! Die haben nämlich schon seit langem vorausgesagt, dass das vermaledeite Jahr 2020 ein Jahr massiver Umwälzungen werden würde. Schuld daran war eine seltene Konjunktion von Saturn und Pluto, und diese beiden Planeten bilden zusammen offenbar ein wahres Duo infernale: Der eine, Pluto, steht für Katastrophe und Gewalt, der andere, Saturn, für Starrheit und Beharrungskraft, und was würde die anhaltende Corona-Krise besser charakterisieren als genau dieses toxische Gemisch? Wobei wir offenbar noch Glück hatten: Sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg brachen unter einem Firmament aus, das die gleiche planetarische Konstellation aufwies.

Die Sterne sagen also genau das, was unser deutsches Corona-Orakel, der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, nicht müde wird, zu prophezeien: Es wird alles die schlimmste Wendung nehmen, wenn wir nicht jetzt und sofort rigoros handeln. Und da wir das bisher nicht getan haben, haben sich Lauterbachs Prognosen meist bewahrheitet. Ich persönlich vertraue allerdings lieber auf das, was sich da am Sternenzelt so tut. Wenn schon Unglück, dann von oben.

Die Sterne sind im Übrigen schon lange mein täglicher Lebensleitfaden. Zusammen mit dem Mondkalender sagt mir die Astrologie zuverlässig, was ich zu tun und zu lassen habe. Vom Haarschnitt bis zur Partnerwahl, vom Einkauf bis zum Hausputz - der Tag beginnt für mich erst, nachdem ich die himmlische Lage erkundet habe. Vorgestern zum Beispiel (Mond im Skorpion) wollte ich diesen Text hier schreiben, doch mein Astro-Mondkalender präsentierte mir diesen Satz aus dem I Ging: "Sorgliches Innehalten auf halbem Weg bringt Heil. Zu Ende führen bringt Unheil." Also habe ich mich anderen Dingen zugewandt, für die die Sterne "besonders günstig" standen: in sich gehen, Kleidung kaufen (online), Wertpapiere verkaufen.

Heute (Mond im Schützen) geht’s dafür munter weiter, alle Zeichen stehen auf Versöhnung, und vor allem gibt mir der umfassendere Blick gen Firmament große, große Hoffnung: Die verhängnisvolle Saturn-Pluto-Konjunktion ist seit Dezember passé, die nächste gibt es erst wieder 2053. Vor allem aber prophezeien die Astrolog:innen für 2021 den endgültigen Eintritt in ein matriarchalisches Zeitalter.

Na, klingelt’s? Angela Merkel macht mangels Alternativen doch weiter, Pamela Rendi-Wagner löst bei vorgezogenen Neuwahlen den Kurz ab, und Joe Biden muss altersschwächebedingt schon nach ein paar Monaten an Kamala Harris übergeben. Sie glauben das nicht? Warten Sie’s ab, die Sterne können nicht irren!