Wenn es wirklich stimmt, dass Pflanzen glücklich machen, dann ist meine Wohnung kein guter Platz fürs Glück. Außer Schnittblumen gelten auch als Pflanzen. Bunte Tulpen aus dem Supermarkt sind für mich der Kick zum Winterglück. Kosten gerade mal so viel wie eine Packung Zigaretten früher, als der Mensch noch rauchen durfte, und bringen verlässlich fröhliche Farben ins Zuhause. Allerdings funktioniert das meistens nur drei bis vier Tage lang. Dann steht der Mensch erneut an der Supermarktkassa und fragt sich heimlich, ob er nicht doch lieber wieder Zigaretten kaufen sollte statt der Tulpen. Die halten länger warm und fröhlich.
In einer Welt, wo selbst der Weihnachtsstern als bedrohte Spezies gilt, wächst nun mal kein Regenwald. Das bewährte Geschenk der Putzfrau aus Polen ist bei uns in der Regel schon zu Silvester tot im Topf und traurig. Doch dieses Jahr ist Überleben angesagt. Noch im Fasching strahlt der Stern. Und ich davor und eigentlich ganz guter Laune. Also woher kommt dieses plötzliche Glücksgefühl? Kann ja nicht ernsthaft von den Pflanzen sein. Nicht nach all dem, was die schon durchgemacht haben bei mir. Mein Name steht in der Apokalypse der Topfpflanzen. Ziemlich weit weg von Glücksgefühl.
Lieber glaube ich, dass der gute Geist von Ilse über mich und die Meinen wacht. Ilse war eine Seelenverwandte von mir und als sie vergangenen Juli mit 24 Jahren gestorben ist, war nicht nur ich in Trauer, sondern auch der Tiergarten Schönbrunn. Ilse war eine Ameisenbärin von großer Eleganz und Schönheit und auch wenn die meisten Besucher schnell weiter zu den Pandabären zogen, so ist Ilse doch der wahre Star des Zoos gewesen. Zumindest in meinen Augen war das so. In den Augen von Salvador Dali höchstwahrscheinlich auch. Der Superstar des Surrealismus liebte Ameisenbären. Es gibt ein Foto aus den 60er-Jahren, wo er mit einem an der Leine durch Paris spaziert. Auf dem Foto kann man alles Mögliche sehen. Ich sehe Glück.