Es ist eines der wichtigsten Sachbücher, das in letzter Zeit erschienen ist: "Einspruch. Verschwörungsmythen und Fake News kontern - in der Familie, im Freundeskreis und online". Die erste Auflage des im Brandstätter Verlag erschienen Buches von Ingrid Brodnig war sofort ausverkauft, jetzt ist die zweite Auflage auf dem Markt. Dies deutet darauf hin, dass viele ein Bedürfnis haben, den im Bekanntenkreis vorhandenen Fehlmeinungen und Mythen entgegenzuwirken.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Ursprünglich verstand man unter Corona-Leugnern Menschen, die behaupteten, dass es Corona gar nicht gibt. Inzwischen gehen die Verschwörungserzählungen in eine andere Richtung: Böse und geheime Mächte hätten die Coronaviren ausgesetzt, um die Menschen zu unterdrücken, die Bösen sind das internationale Finanzkapital, die Freimaurer, die Juden usw. Das hatten wir doch schon einmal. Dazu passt auch die Argumentation, dass durch Corona ohnedies nur die Schwachen sterben, wodurch der "Volkskörper" gestärkt wird. Wer nicht zu den Ewiggestrigen gehören will, sagt mit einem vielsagenden Blick, dass hinter dem Coronavirus "etwas ganz Großes" steckt. "Es sind schlimme Zeiten, eine Art Dritter Weltkrieg!" Ingrid Brodnig, eine "Profil"-Journalistin, rät ihren Lesern, gelassen zu bleiben und nachzufragen: Woher weißt du das? Was sind deine Quellen?

Eine zweite Argumentationslinie läuft darauf hinaus, dass das neue Virus nicht gefährlicher ist als die saisonale Grippe. Corona-Leugner sind in einer Blase gefangen, sie lehnen die Informationen aus den, wie sie sagen, "Mainstreammedien" ab, glauben nur an die Nachrichten aus "ihren Kanälen", wo "die Wahrheit steht".

Pauschal werden alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie abgelehnt: der Lockdown, die Maskenpflicht, die PCR-Tests usw. Viele geharnischte Corona-Leugner der zweiten Generation sind auch Impfgegner. Manche verbreiten gefakte Tabellen mit einer gigantischen Zahl an Todesfällen nach Impfungen und rufen zum Kampf gegen einen angeblich drohenden "Impfzwang" auf. Ingrid Brodnig rät in solchen Fällen, aktiv mit positiven Fakten zu antworten: "Bevor es eine Masernimpfung gab, starben bei schlimmen Ausbrüchen pro Jahr 2,6 Millionen Menschen an dieser Krankheit. Ohne eine Pockenimpfung müsste man davon ausgehen, dass alle sechs Sekunden jemand dieser Krankheit zum Opfer fällt."

Eine Gruppe von Rechtsanwälten argumentiert sogar, dass eine Impfpflicht verfassungswidrig wäre, weil dies "einem Übergriff auf die körperliche Integrität" gleichkomme. Das ist originell: War 1948 das Gesetz zur Pockenimpfpflicht verfassungswidrig? Oder wird die Verfassung heute anders interpretiert?

"Verschwörungserzählungen bieten manchmal vielleicht mehr Trost oder Halt als die spröde Wissenschaft", schreibt Ingrid Brodnig. "In ihren abgeschlossenen Gruppen treiben sich die Gleichgesinnten auch weiter an." Sie aus ihrer Blase herauszuholen ist schwierig, verschiedene Methoden zu kombinieren ist sinnvoll. Ingrid Brodnig: "Die nüchterne Richtigstellung wird als glaubwürdiger eingestuft, die witzige erhält jedoch mehr Aufmerksamkeit." Dann versuchen wir es einmal so.