Oft bekomme ich Leserbriefe, die mir Freude bereiten. Viele WZ-Leser sind sprachkundig und sprachkritisch. Dies gilt auch für Roland Kadan, der mir in einem Punkt widersprochen hat. Vielleicht erinnern Sie sich: Ich meinte an dieser Stelle, man solle Quarantäne nicht mit Kw-, sondern mit K- aussprechen. Es leitet sich von französisch quarantaine ab, gemeint ist eine Anzahl von 40 Tagen: nach der früher üblichen vierzigtägigen Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen. Vielleicht kam das Wort über italienische Vermittlung zu uns: Dort wird die Zahl 40 so ausgesprochen: Kuaranta.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

"Ach, diese schnöselige ,Karantäne‘", schreibt Roland Kadan. "Auch Bastian Sick hat da meines Erachtens Unrecht: ,Quiche‘ und ,Queue‘ taugen gar nicht als Argument dafür, dass auch ,Quarantäne‘ am Anfang mit ,k‘ zu sprechen ist. ,Quiche‘ und ,Queue‘ werden mit ,k‘ ausgesprochen, weil sie, ident geschrieben wie im Französischen, nach wie vor Fremdwörter sind. Dass Fremdwörter zu Lehnwörtern werden können, ist auch klar; wir schreiben nun eben auch Keks statt Cakes. Sobald daher Quarantäne auf diese Weise geschrieben wird - u.a. mit dem Umlaut ,ä‘, den es im Französischen gar nicht gibt - ist das Wort endgültig ins Deutsche eingewandert; wer nun weiterhin ,Karantäne‘ sagt, befindet sich, auch wenn er sich auf den Duden oder Herrn Sick beruft, in der Gesellschaft von Menschen, die ,all inclusive‘ vorne englisch aussprechen und hinten deutsch, also ínklusiv statt inclúsive. Die ,Karantäne‘ ist ein Unding."

So kann man es auch sehen. Aber ich berufe mich grundsätzlich weder auf Bastian Sick noch auf den Duden. Duden-Online vermerkt übrigens drei Aussprachen: Erstens Karantäne im Anlaut nach französischem Muster, aber dann nicht nasaliert gesprochen; zweitens eine Aussprache nach französischem Original; drittens Kw- im Anlaut.

Jedenfalls bin ich froh, dass es im öffentlich-rechtlichen ORF eine Festlegung auf "Karantäne" gibt. Im Gespräch mit Verwandten und Bekannten redet ohnedies jeder so, wie er will. Ich glaube, dass in diesem Fall auch die Schriftform prägend ist: Wenn wir das Wort aussprechen, haben wir ein geschriebenes Qu im Kopf. Es verleitet uns, Kw- zu sprechen.

Das mit den Eindeutschungen ist so eine Sache. So ist beispielsweise Frisör/Friseur kein Gallizismus. Die Franzosen nennen den Haarschneider Coiffeur, Frisör ist eine französisierende Wortbildung zu frisieren, dieser Ausdruck ist aus Frankreich über das Niederländische zu uns gekommen. Kabarett/Cabaret ist ebenfalls interessant. In Österreich schreiben wir meist "Kabarett", sagen aber trotzdem immer "Cabaret".

Tendenziell sind wir sprachkonservativ, bei Innovationen zögern wir. Ein Kollege in Deutschland, er verfasst ebenfalls regelmäßig eine Sprachkolumne in einer Tageszeitung, sagte mir einmal in einem Telefonat, er würde gern für das Wort "ausgepowert" eine neue Schreibung vorschlagen. Da es nicht von engl. power stammt, sondern von französisch pauvre, solle man "ausgepauert" schreiben - nach dem Grundsatz: Schreibe, wie du sprichst! Das wäre schon revolutionär.