Horst Lichter moderiert die ZDF-Trödelshow "Bares für Rares". Die gesellschaftliche Meinung über Altwaren ist gespalten. - © MTS GmbH / Frank Hempel
Horst Lichter moderiert die ZDF-Trödelshow "Bares für Rares". Die gesellschaftliche Meinung über Altwaren ist gespalten. - © MTS GmbH / Frank Hempel

Bisher bin ich im Wesentlichen recht verhaltensunauffällig durch die Corona-Krise gekommen. Betonung auf "im Wesentlichen". Neben der einen oder anderen Seltsamkeit, über die ich hier nicht reden, sprich schreiben will, wie die Anschaffung eines Instagram-Accounts, um Selbstgekochtes zu posten, hat das vor allem mit der Trödelsendung "Bares für Rares" zu tun. Seit Monaten bingewatche ich mir in der ZDF-Mediathek spätabends auf dem Tablet einen Dodel herunter und weiche notfalls auch auf dubiosere Quellen aus, wenn mir der Stoff ausgeht. Ich brauche das!

Die Sendung mit dem ehemaligen TV-Koch Horst Lichter, der seine "Messerspitze Butter" längst gegen ein bestimmtes "Butter bei die Fische" und den Entzückungsausruf "Ui!!" getauscht hat, wenn etwa das Tafelsilber der alten Erbtante über die Budl geht, bietet Sicherheit und Halt. Sie ist jeden Tag gleich. Nichts verändert sich. Niemals. Es ist, wie man sich den Ablauf seiner Pension vorgestellt hat, mit der dazu passenden Auswirkung, dass man verlässlich nach oder während der Sendung einschläft. In Träumen führe ich Bietergefechte und werde wach, während ich "250!" schreie. Allerdings habe ich davor noch reichlich gelernt.

Zweifelsohne haben mir die Expertisen von Albert Maier und Frau Doktor Heide Rezepa-Zabel bereits die eine oder andere Lehrveranstaltung in Kunstgeschichte erspart und ausreichend Wissen über Geschmeide verschafft, um bei einer möglichen Geschäftsanbahnung keinem Gauner mehr aufzusitzen.

Kommen Sie mir bitte nicht mit Ihren Halbkenntnissen über Karlsruher Majolika, Meißner Porzellan, Bauernschränke aus der Pfalz, Korallen-Colliers, Witwenringe, vergoldete Konfektschalen aus Birminghamer Sterlingsilber oder Steiff-Bären! Ich weiß bereits alles - und bin, wie Sie merken, breit aufgestellt. Ich kann 585er- und 750er-Gold im Halbschlaf und Silber und Edelstahl noch in der REM-Phase unterscheiden. Füchse, Bären und Stichlinge, sämtliche Kontrollpunzen sind mir vertraut. Außerdem habe ich jetzt auch Bundes- und Piefkedeutsch drauf und kann notfalls ganz entspannt reagieren, wenn mir jemand aus der Eifel oder dem Ruhrpott eine Replika als Antiquität andrehen möchte. "Wat für ’n Gedöns? Det Dingen is’ für ’n Gully!"

Grundsätzlich ist die gesellschaftliche Meinung über Altwaren ("Kann das weg?") ja gespalten. Für die einen handelt es sich um Qualitätsarbeit mit Schauwert, wie sie heute nicht mehr hergestellt wird, also um ein willkommenes Kontrastprogramm zum Einrichtungsdiskonter. Die anderen sehen darin nur angeranztes Gerümpel, auf dem Onkel Walter als DNA weiterlebt - Haare, Schuppen, Auswurf, iiih!

Hier könnte es gerade in wirtschaftlich pessimistischen Zeiten zu einem Umdenken kommen. Der Möbelschwede kann manches - Wertsteigerung und "Händlerkärtchen" allerdings nicht.