Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.
Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Manchmal hat man Glück: Als unser Haus ganz neu und vor allem ganz leer war, fragten Freunde, ob wir ein Schlafsofa brauchen könnten. Ihre Tochter richte ihr Zimmer neu ein, das Sofa sei in noch gutem Zustand. Und ob wir das brauchen konnten! Als ich des Bezugs ansichtig wurde, erlitt meine Freude kurzfristig einen Dämpfer. Sobald aber erst eine "neutrale" Decke darüber geschlagen war, herrschte zwischen mir und dem Sofa das bestes Einvernehmen.

Im Laufe der Jahre verbrachten wir alle immer mehr Zeit auf diesem Sofa, denn der internetfähige Fernseher übt nicht nur auf das Jungvolk eine gewisse Anziehungskraft aus. Seit geraumer Zeit ächzt das Möbelstück nun, wenn man sich darauf niederlässt, als ob es sagen wollte: "Lange kann ich Euch nicht mehr tragen." Es braucht also einen Nachfolger.

Wir starteten die Suche entspannt und schauten, was es gibt. Wir sahen bald, dass das Sofa von früher von der "Wohnlandschaft" ersetzt worden ist. Für die meisten müssten wir allerdings anbauen, denn unsere Zimmer sind nicht annähernd groß genug, um solche gewaltigen Sitz- und Liegeflächen zu beherbergen. Es ist egal, ob man in einem teureren oder in einem eher billigen Geschäft schaut: Man fragt sich, wie diese Riesentrümmer in einer durchschnittlichen Wohnung Platz finden sollen. Ist Wohnraum nicht knapp?

Einer meiner Brüder hat so eine Wohnlandschaft im Wohnzimmer stehen. Dieses misst aber auch mindestens 40 m2. Unser Wohnzimmer wurde viel kleiner dimensioniert, denn mein Gatte fragte in der Planungsphase des Hauses: Was tun wir, wenn wir "wohnen"? Wann wohnen wir? Wie oft? Wir bekamen folglich eine eher großzügige Wohnküche - und ein kleineres Wohnzimmer, sozusagen für den "Wohn-Fall".

Im hintersten Winkel eines Möbelgeschäfts fanden wir dann eine kleine Wohnlandschaft, die in unser TV-Zimmer passen könnte. Bevor wir sie kaufen konnten, war wieder Lockdown. Kürzlich habe ich sie noch einmal besucht und festgestellt, dass der erste Eindruck richtig gewesen war: Sie war tatsächlich manierlich, was Größe und Farbe anlangt, und ließe sich auch zu einem Gästebett umfunktionieren. Beim Blick ins Innere konnte ich feststellen, dass Angestellte der Herstellerfirma schon vor Corona ab und zu einen Schluck aus dem Flachmann genommen haben müssen: Solche Kurven hat bisher noch kein Tacker gemacht. Der Verkäufer meinte nur: Das sei egal.

Die Wartezeit auf dieses Möbel beträgt 10 bis 12 Wochen. Es wird in Rumänien gefertigt. Falls unser Sofa noch mehr oder andere Kurven aufweisen sollte, haben wir einen Indikator dafür, wie man in Rumänien die herrschende Krise bewältigt.