Genau ein Jahr ist’s jetzt her, dass ich das letzte Mal in der Redaktion gewesen bin. Am 12. März 2020, das war ein Donnerstag, hab ich um 14.22 Uhr meine Kolumne ausgedruckt, noch einmal durchgelesen und mich verabschiedet. Mit einem Vulkaniergruß. Der Titel war übrigens: "Benehmt euch wie ein Alien mit spitzen Ohren!" (Wie Mr. Spock zu grüßen, mit dieser v-förmigen Lücke zwischen Mittel- und Ringfinger, ist IMMER noch besser, als die Ellbogen aneinander zu reiben, mit denen man vorher sämtliche Lift- und U-Bahnknöpfe poliert und in die man hineingeniest hat, und nachher 90 Euro Strafe zahlen wegen Nichteinhaltung des Mindestabstands.) Und darunter ist gestanden: "Die Symptome von Covid-19: Fieber, Husten, Atemnot - und Einsamkeit." Tja, EIN Symptom war damals eben noch nicht bekannt (das ausgerechnet bei den Corona-Negativen auftritt): Verwahrlässigung. Die Verwahrlosung infolge der Vernachlässigung durch sich selbst. Duschen? Frühestens wenn ich wieder die Wohnung verlasse. Reicht doch, wenn man sich andauernd die Hände wäscht. Wimmerl ausdrücken? Ach, wozu. Maske drauf und passt. Okay, die Augenbrauen sollte ich vielleicht zupfen. Andererseits: Aus zwei Metern Entfernung sieht sowieso niemand, ob ich noch ZWEI Brauen habe oder bereits eine einzige. Zwei Meter Abstand beim Spazieren mit einer haushaltsfremden Person: Dann kann man ja GLEICH telefonieren. Jedenfalls nicht einmal auf demselben Bankerl sitzen. Skypen ist ohnedies bequemer. Erstens hat die Jogginghose einen Gummizug (und dabei ernähre ich mich soooo gesund: kein Knäckebrot, keine Karotten, keine Äpfel), und zweitens brauch ich mich nicht zu kämmen. (Bei dem unscharfen Bild.) Mein Internet ist dermaßen langsam, wenn ich mitten im Satz aufs Klo verschwinde, fällt das später gar nicht auf, dass ich weg war. "Seit wann is Knäckebrot ung’sund? Oder a Karottn?", hat der Heinz grad gefragt. "Na ja, seit deiner Wurzelbehandlung." Der Heinz hat zwar eh sofort einen Termin bekommen, aber halt erst für nächstes Jahr. Also für heuer. Und das war immerhin im Oktober und nachdem er ein Dutzend Zahnärzte angerufen hatte. Hätte bei seinem nicht plötzlich jemand abgesagt, hätte ich dem Heinz einen Zahn ziehen müssen. Ich werde folglich sicher nichts essen, woran man sich eine Plombe oder sonst was ausbeißen kann. "Ich hab dich noch nie mit an Knäckebrot gsehn." - "Na, weil’s mir net schmeckt." - "Sollt ma bei einer Diät net auf irgendwas verzichten?" - "Tu ich doch. Ich ess ka Knäckebrot." - "Und a nix Süßes mehr? Ka Schokolade? Wegen Karies?" - "Nur ka Schokolade mit ganzen Karotten. Außerdem is Schokolade nix Süßes. Das is Medizin. Und Obst ess ich auch fleißig. So eins mit einer biologisch abbaubaren Verpackung. Die kamma sogar mitverputzen, so abbaubar is die." - "Du meinst jetzt aber net Krapfen." - "Doch. Und seit diesem Skandal mit den FFP2-Masken, die in Wahrheit Made in China waren, pflück ich meine Tomaten lieber selber, damit die garantiert aus Österreich san." - "Du kaufst sie also mit Rispe." - "Genau." Selbstgepflückte Tomaten - he, so schlimm kann das mit der Verwahrlässigung bei mir überhaupt noch nicht sein.