"Wenn es Bier gibt, dann rufst du mich nicht. Wenn es aber Arbeit gibt, dann rufst du mich. Dann mal unter uns gesagt: Bin ich ein Mann, der schlecht ist im Umgang mit Bier? Veranlasse, dass nach mir gerufen wird (wenn es Bier gibt)! Ich bin ein Mann, der kein Bier in seinem Haus hat! Ich ersuche, meinen Bauch zu füllen, indem ich dir schreibe."

Dieser Wortlaut findet sich in einem Brief, der auf einem Ostrakon aus der altägyptischen Stadt Theben gefunden wurde und wohl um das Jahr 1200 v. Chr. entstand. Der Schreiber, ein gewisser Prehotep, ist offenbar nicht mit seiner täglichen Bierration zufrieden und bringt dies auch deutlich zum Ausdruck. Bier war zu jener Zeit weit mehr als ein nahrhaftes Getränk, es diente auch als eine Art Naturalwährung. Gemünztes Geld war den alten Ägyptern unbekannt, umso wertvoller waren Produkte, mit denen man lukrative Tauschgeschäfte machen konnte. Immerhin bekam ein Pyramidenarbeiter täglich fünf Krüge Bier zugesprochen, und man kann davon ausgehen, dass nicht jeder diese Menge selbst zu sich nahm.

Das ägyptische Bier wurde vornehmlich aus Gerste gebraut, seltener aus Emmer. 1990 entdeckten Archäologen in Pharao Echnatons alter Hauptstadt Achetaton einen Küchenkomplex, der ursprünglich zu einem Tempel gehörte. In den dort gefundenen Bottichen entdeckten die Forscher Bierreste, die chemisch analysiert wurden. Man konnte sogar den annähernden Alkoholgehalt des Gebräus ermitteln, der mit rund sechs Volumsprozent gar nicht so viel anders als beim heutigen Bier lag.

Geschmack und Konsistenz des altägyptischen Bieres wären für heutige Trinker aber wohl gewöhnungsbedürftig: je nach Grad der Erhitzung beim Mälzen konnten unterschiedliche Geschmacksrichtungen entstehen. Durch sehr starkes Erhitzen wurden die Getreidekörner karamellisiert und das daraus entstandene sehr dunkle Bier hatte daher auch einen karamelligen und rauchigen Geschmack. Um dem Getränk eine besondere Note zu geben, mischten die Ägypter verschiedene Zutaten wie Datteln, Feigen, Koriander und Christusdornfrüchte hinzu.

Da das Bier der Ägypter nicht lange haltbar war, musste es fast täglich neu gebraut werden. Eine 5.000 Jahre alte Großbrauerei wurde jüngst in Abydos gefunden und bezeugt, dass schon zu jener Zeit das Bierbrauen am Nil in großem Stil betrieben wurde. Hier gab es mehrere Bereiche mit etwa 40 Töpfen, in denen eine Mischung aus Getreide und Wasser erhitzt wurde, um Bier herzustellen. Es wird vermutet, dass die Brauerei an diesem Ort speziell zur Durchführung der königlichen Rituale gebaut worden sein könnte, die bei den Grabstätten der Pharaonen stattfanden.