"Du, i lad di zum Essen ein", hab ich zum Heinz gesagt. He, andere spenden ihrem Lebensabschnittspartner eine Niere, da werde ich meinen ja wohl wenigstens zum Essen einladen können. (Auf geröstete Nierndln?) Weil zehn Jahre H + C, das gehört gebührend gefeiert, oder? Der Heinz hat mir natürlich zunächst nicht zugetraut, dass ich das überhaupt hinkriege - ihn zum Essen einzuladen. Oder das mit dem Einladen schon, aber den Worten dann tatsächlich Taten folgen zu lassen? Geschlossene Gastronomie und so.

"Du hast Kochen g‘lernt?" - "Na, ka Angst. Wir fahren nach Vorarlberg." (Dort befindet sich bekanntlich das nächstgelegene Lokal, das offen hat.) Nachsatz: "Okay, DU foast und i sitz daneben." (Ich hab nämlich keinen Führerschein.) Moment, da müssen wir durch Tirol durch. Wobei: Für die Durchreise ist kein negativer Test vonnöten. Und wie beweist man, dass man lediglich durchgereist ist? Werden bei der Einreise von Grenzbeamten sämtliche Türen und Fenster versiegelt (äh, mit rotem Wachs und einem Stempel?), und wenn bei der Ausreise auch nur ein Siegel gebrochen ist, müssen die Insassen in Quarantäne? Ach so, die Reisewarnung für Tirol ist ja wieder aufgehoben worden. Außerdem werden wir sowieso getestet sein, denn: Vor dem Essen Nasenbohren nicht vergessen! Das einzige Problem ist: Wir dürfen nicht vor sechs in der Früh los und müssen um 20 Uhr wieder daheim sein. Wegen der nächtlichen Ausgangssperre.

Es wird also knapp. Wien - Bregenz: sieben Stunden und acht Minuten (laut Routenplaner). Hm, blöd. Selbst wenn wir uns in Bregenz bloß gschwind, bei laufendem Motor, einen Coffee to go schnappen (und keine Zeit mit Tanken verschwenden), sind wir erst um 20.16 Uhr wieder zurück. (Frühestens. Weil: Keine Ahnung, wie lange man auf den ÖAMTC wartet, damit der einem mit ein bissl Sprit aushilft, nachdem man auf der Autobahn liegengeblieben ist.)

Aber wir haben eh eine Lösung gefunden. Einen Fluxkompensator auf Ebay? (Und der hat aus dem Renault Clio vom Heinz eine Zeitmaschine gemacht?) Falsch. Klösterle! Sechs Stunden und elf Minuten. Perfekt. Ankunft: 12.11 Uhr. Eineinhalb Stunden futtern, nachher noch gemütlich tanken . . . - sechs Stunden und elf Minuten? Verdammt lang. Und das müssen wir gleich zwei Mal durchhalten.

Was, wenn uns bereits beim ersten Mal fad wird? Gut, dem Heinz nicht, der hat was zu tun, der fährt, doch was mach ICH derweil? Musik hören? Mit der Sound-Anlage vom Clio, selbstverständlich. Auf der Hinfahrt "Das Rheingold" und "Die Walküre", auf der Rückfahrt "Siegfried", und der erste Akt von der "Götterdämmerung" geht sich ebenfalls noch aus. ("Vagiss es. Außer, du willst mit dem Zug nach Haus fahren.") Zum Glück haben wir uns auf einen Kompromiss zwischen Wagner und Rammstein einigen können: Radio Arabella. Und sonst halt: Stille.

"Du, Heinz, wir wern 14 Stunden herumsitzen. Auto, Restaurant, Auto. Wie bei an Langstreckenflug. Sollt ma uns vielleicht vorher a Thrombosespritze geben lassen? Und Stützstrümpfe anziehen?" - "Seeehr romantisch." - "I glaub, das Gscheiteste wird sein, DU lodst MI zum Essen ein. Dafür darfst dir aussuchen, was du kochst."