Persönlich finde ich es bemerkenswert, wenn sich die Polizei in Zeiten der weltweiten Pandemie vermehrt dazu veranlasst fühlt, die Menschheit vor der Verwendung von digital vernetzten Sexspielzeugen zu warnen. Könnte gefährlich werden, so lautet die Warnung, wenn auf einmal sozusagen Nordkorea die Steuerung deines Unterleibes übernimmt. Aber nicht nur gefährlich. Peinlich wäre die Sache im Ermittlungsfall natürlich auch.

Es muss beträchtliche Mengen an derartigen Süßigkeiten in unseren Schlafzimmern geben. Wegen zwei oder drei solcher innovativen Betthupferln schickt die Polizei sicher keine Warnung aus. Und ich dachte immer, die Menschen lassen sich nur Essen, Fernsehzeitschriften, Klopapier und Blumensamen liefern im Lockdown. Jetzt weiß ich, wie es wirklich läuft im Land. Unser Nachbar zum Beispiel bekommt locker dreimal die Woche Pakete angekarrt. Früher wollte ich gar nicht wissen, was da drin ist. Neuerdings möchte es mich eventuell doch interessieren.

Wir persönlich haben kein digitales Sexspielzeug im Haus. Das würde uns total überfordern. Wir kommen ja nicht mal mit dem Fernseher klar.

Der Techniker, der uns gegen gutes Geld die Zukunft ins Wohnzimmer bringen soll, beherrscht die große Gabe, derart selbstbewusst zu nuscheln, dass man seine Instruktionen kaum versteht, sich aber trotzdem keine einzige Frage stellen traut. So einen hatte ich in der Mittelschule als Physikprofessor. Nach drei Jahren wurde er an die Universität in Klagenfurt abberufen. Ein Jahr später war er wieder da. An der Universität hatten sie ihn auch nicht verstanden, hieß es.

Meine Tochter hat einen Liebsten, der technisch sehr begabt ist. Der junge Mann schafft es sogar, mit der Dame von der Servicestelle zu telefonieren, ohne gleich völlig durchzudrehen so wie zum Beispiel ich. Am Ende des Abendessens war der Fernseher programmiert. Das hat Zukunft, dachte ich. Aber ob ich den zukünftigen Schwiegersohn auch mein digitales Sexspielzeug richten lassen würde? Eher nicht.