Es ist gerade einmal ein Dreivierteljahrhundert her, dass die Vespa erfunden wurde. Die offizielle Patentanmeldung für den heute legendären Motorroller erfolgte am 23. April 1946. Seit diesen Tagen trägt der Piaggio-Konzern mit immer neuen Modellen zu freudvoller urbaner Motorisierung bei.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Auch wenn das italienische Lebensgefühl des Dolce Vita etwas aus der Mode gekommen scheint (zumal auf menschenleeren Straßen und in abgeriegelten Städten), sind Vespas ungebrochen Lifestyle-Vehikel und Exportschlager.

Ich selbst zähle ebenfalls zur Riege der überzeugten Vespisti, die dem Gefährt sogar bei Wind und Wetter die Sporen geben. In der Stadt gibt es - sorry, Biker! - kein Verkehrsmittel, das in punkto Geschwindigkeit, Flexibilität und Bequemlichkeit mithalten könnte. So testete ich im Vorjahr höchst neugierig auch die aktuellste Ausprägung einer Vespa: die Elettrica. Und war enttäuscht. Der vermeintliche Elektro-Flitzer erwies sich als vergleichsweise lahm, uninspiriert, überteuert. Da muss Piaggio nachbessern, sonst wird das nix mit der Direttissima in eine glanzvolle Zukunft. Man schuldet es alleine schon der gloriosen Vergangenheit.

Ich hätte einen Tipp für die Techniker und Strategen des Konzerns: Werft einen Blick nach Kammersdorf bei Hollabrunn in
Niederösterreich.

Dort residiert die ehemalige Landmaschinenfirma Heinzl, mittlerweile mit dem Import von Elektrofahrzeugen zur "Group" aufgestiegen. Mit der Marke Horwin, die zur Hälfte der chinesischen Unternehmerfamilie Zhou Wei gehört, hat man auch flotte Roller im Programm. Sie können eine optische Vespa-Verwandtschaft nicht abstreiten, wirken aber in vielen Details zeitgemässer und peppiger.

Ich schwang mich auf das Modell EK3, das stärkste in der noch überschaubaren Modellpallette. Ein Elektromotor mit einer Maximalleistung von 6,2 Kilowatt (Nennleistung: 3,5 kW) und einem Drehmoment von 195 Newtonmeter sorgt dabei für jene Beschleunigung, die ich mir von der Elettrica gewünscht hätte. Sssssssurrrrrr!

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 95 km/h, reicht allemal. Dass die Wirkung der Stoßdämpfer überschaubar ist und das Austro-China-Vehikel - Grundkonzeption und Design erfolgen im Weinviertel - bretthart auf der Straße liegt, erscheint vergleichsweise verkraftbar.

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Bei Bedarf kann man auch noch einen zweiten Akku an Bord hieven (Achtung!, das Lithium-Ionen-Paket wiegt knapp 20 Kilogramm). Grobe Schnitzer fielen mir bei der Horwin EK3 nicht auf. Und sie schlägt mit knapp der Hälfte der Italien-Vorlage zu Buche.

Natürlich werden jetzt wieder Spötter um die Ecke biegen, die den Roller zum stillosen China-Kracher erklären. Oder Nahverkehrs-Dogmatiker, die nur mehr Muskelkraft gelten lassen wollen. In Kammersdorf antwortet man längst mit dem feinen Lächeln von Business-Buddhas.