Sowohl in Österreich als auch in Deutschland wird viel über die "Osterruhe" geredet, ein euphemistischer Ausdruck für Lockdown. Voriges Jahr versprach Sebastian Kurz die "Auferstehung nach Ostern". In diesen Fällen bedient sich die Politik religiöser Ausdrücke, man könnte auch sagen, sie missbraucht diese. Wir merken, welche Absicht dahintersteckt, und sind verstimmt.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Daneben gibt es ein umfangreiches Wortgut und zahlreiche sprachliche Bilder, die auf die Heilige Schrift zurückgehen. Ich zitiere aus einer katholischen Website, bringe aber nicht jene Beispiele, deren Herkunft allen bewusst ist: das A und O, auf Sand gebaut, über den Jordan gehen usw. Nicht gewusst habe ich, dass die Redewendung "auf Händen tragen" religiös verortet werden kann. In Psalm 91 heißt es über den gerechten Menschen, dass er unter dem Schutz Gottes steht: "Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt." Ähnliches findet man bei Lukas und Matthäus.

Wenn man jemanden auffordern will, endlich darüber zu reden, was ihn bedrückt, sagt man: "Mach aus deinem Herzen keine Mördergrube." Bei Matthäus heißt es: "Mein Haus soll ein Bet-Haus sein; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht." Jesus schimpft über den Umgang seiner Zeitgenossen mit dem Tempel in Jerusalem und hat sich damit viele Feinde gemacht. Ebenso erging es 500 Jahre vorher dem Propheten Jeremia.

Das Adjektiv christlich wird nicht nur wörtlich, sondern auch übertragen verwendet. "Sie hat den Schoko-Osterhasen christlich mit ihrem Bruder geteilt" bedeutet: Sie hat ihm die Hälfte gegeben.

Komplex und schillernd sind Wendungen mit dem Adjektiv katholisch. Einige nehmen Bezug auf die Zeit der Gegenreformation, als weite Teile Österreichs und Bayerns rekatholisiert wurden, vielleicht sind sie auch eine Reminiszenz an den Dreißigjährigen Krieg. "Den werden wir noch katholisch machen" bedeutet: Ihn werden wir noch bekehren bzw. gefügig machen, mit drastischen Mitteln zum Einlenken bewegen. "Er hat uns schön katholisch gemacht" bedeutet: Er hat uns furchtbar abgekanzelt. Schon beinahe ins Gaunersprachliche geht eine eher scherzhafte Gewaltandrohung: "I hau da-r-ane owe, dass d’ katholisch wirst!"

Einige Wendungen variieren in der Bedeutung, je nachdem ob sie im katholischen Süden oder im protestantischen Norden gebraucht werden. Im Norden des Sprachraums bedeutet "katholisch sein" so viel wie unaufrichtig sein, wer "katholisch lacht", grinst hämisch, "katholisch gucken" heißt hinterhältig blicken. Wir hingegen sagen "da geht’s nicht katholisch zu" und meinen: Da geht es nicht mit rechten Dingen zu. "Der ist auch nicht sehr katholisch" bedeutet: Er ist unbarmherzig und rücksichtslos. Mir ist auch die Wendung "Schau nicht so katholisch drein!" bekannt, aber ich weiß nicht genau, was sie bedeutet, sie fehlt leider in den Wörterbüchern. Sagen wir das zu jemandem, der eine Unschuldsmiene aufsetzt? Oder ist damit ein vorwurfsvoller Blick gemeint? Über zweckdienliche Hinweise würde ich mich freuen.