Kein Aprilscherz: Wäre ich Investor und hätte gerade genügend Kleingeld in der Portokasse, würde ich stante pede der Republik Österreich ein Angebot legen. Mit der Absicht, die "Wiener Zeitung" zu übernehmen. Kaufpreis: ein symbolischer Euro - freilich verbunden mit der Auflage, dieses Periodikum mindestens zehn Jahre weiterzuführen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Und zwar als Tageszeitung auf Papier. Dass man die qualitätsvollen Inhalte dieses Mediums parallel digital nutzen, verwerten und innovativ weiterentwickeln könnte: geschenkt.

Das Beharren auf der Papierform mag anachronistisch erscheinen, dutzende Experten haben Print längst den Garaus erklärt. Und dennoch erscheinen mir die Nachrichten vom Tod der Zeitung als ausgereiftes, ja in mancher Hinsicht perfekt dem menschlichen Aufnahmeempfinden angepasstes Medium verfrüht - ich informiere mich ungebrochen lieber beim Durchblättern bedruckter Seiten als auf noch so gestochen scharfen Bildschirmen.

Das Smartphone als alleinige Informationsquelle erscheint mir absurd. Und auch wenn es so kommen wird: In Zeiten, in denen Tweets, Texte und Kolumnen als NFTs (Non-Fungible Tokens, hatten wir erst unlängst hier als Thema) plötzlich hunderttausende Dollar einspielen, wird allein die Marke der ältesten ungebrochen erscheinenden Tageszeitung der Welt auch nicht nichts wert sein.

Diese Story besitzt mehr an Glanz und Gloria und damit Investitionspotenzial, als es sich visionslose Polit-Kleinkrämer als Verwalter dieser Republik vorstellen können.

Eigenartig: Die Staatsdruckerei, das Dorotheum und das Schloss Schönbrunn als K&K-Touristenmagnet konnte man auch flott verkaufen oder ausgliedern, nicht zum Schaden der neuen, teils privaten Besitzer und Betreiber. Warum sollte das bei der "Wiener Zeitung" nicht gelingen? Die Alternative wäre ein kollektiver Buy-out beherzter Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, ein Genossenschaftsmodell, eventuell auch ein Konstrukt ähnlich dem öffentlich-rechtlichen ORF. Seriöse Information ist längst so wesentlich geworden - und damit auch ebenso werthaltig - wie klares Wasser oder frische Luft. Also?

Sie merken schon: In der heutigen "Maschinenraum"-Kolumne dreht es sich weniger um Technik - sofern man nicht vorwitzig die Kulturtechnik des Lesens diesem Themenfeld zuschlägt. Aber ohne intellektuelles Instrumentarium, das auch diese Hemisphäre des Maschinellen, der Informatik, Robotik, Künstlichen Intelligenz, der Industrie, Medien, ja der Machtmaschine Mensch schlechthin durchmisst, wären wir nur noch im Blindflug unterwegs.

Zu pathetisch? Gewiss würde sich dieser Planet auch weiter drehen ohne ein paar tausend tägliche "Wiener Zeitung"-Exemplare im Postschlitz. Aber er würde das auch mit ihnen tun, vielleicht mit einem Mikrogramm mehr Erkenntnisgewinn. Insofern wären der Bundeskanzler und seine Einflüsterer schlecht beraten, wenn sie vollendeten, was selbst Metternich nicht gelang.