Wenigstens darf man wieder laut und deutlich Piefke sagen. Die Piefkes sind diejenigen, die im Winter über die vielen Schitouristen in Tirol stänkern, aber zu Ostern jeden Ferienflieger buchen, der halbwegs deutlich in Richtung Mallorca zeigt. Das sind die Piefkes.

Die anderen sind die Deutschen. Die Deutschen sind die Vernünftigen unter den Piefkes. Die Deutschen haben Zweitwohnsitze fürs unauffällige Schifahren und Mallorca interessiert sie sowieso nicht, weil es zum Beispiel auch die Malediven gibt. Oder Dubai. Oder sonst was, wo es sonnig ist und die Welt für viel Geld wenig Fragen stellt.

Der Deutsche geht sehr diskret mit seiner Sehnsucht nach der Sonne um. Der Piefke nicht. Der Piefke kann sich diese Diskretion nicht leisten. Das ist aber auch schon der einzige Unterschied. Es gibt übrigens auch Piefkes unter den Österreichern. Ich habe nur keine Idee, wie die heißen sollen. Ösi jedenfalls trifft den Sachverhalt nicht. Ösi sind wir alle.

Warum darf der Piefke über Ostern nach Mallorca fliegen, während wir die Eier bestenfalls im Singlehaushalt suchen dürfen? Logisch brodelt die Empörung ob solcher Differenzen unter engen Nachbarn. Warum also?

Früher hätte ich solche Fragen am Stammtisch geklärt. Aber mit der Pandemie ist auch mein Wirtshaus virtuell geworden. Aus der puren Not heraus habe ich mich an das Internet gewandt. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich derzeit die ganze Welt gegenseitig für einen Trottel hält. Jeder weiß, wer schuld an der Misere ist, aber keinem hört man zu. Wie früher beim Fußball.

Auseinander ist das neue Miteinander. Eh lustig. Aber ob‘s was bringt?
Meine aktuelle Frage an das Internet hat gelautet: Woher bitte kommt der Begriff "Osterfriede"? Nämlich weil ich das Wort überall höre oder lese, aber nirgendwo fühle oder gar spüre. Die verblüffende Antwort besteht darin, dass es keine gibt. Nicht einmal das Internet kennt sich aus. Osterfriede war früher. Heute, so scheint es, haben wir andere Sorgen.