Absendern wie etwa "Support" bin ich gewogen. Wer von uns könnte nicht hie und da ein bisschen Unterstützung brauchen? Nur als Beispiel bräuchte ich jemanden, der die Einstellungen meines Mail-Accounts so ändert, dass der ganze Spam automatisch vom Server gelöscht wird. Zweimal habe ich das dem kostenlosen A1-Support ohne Ergebnis vorgetragen und so herausgefunden, dass die alte Weisheit "Was nichts kostet, ist nichts wert" immer noch einen wahren Kern hat. Deswegen lösche ich den ganzen Schmarrn Seite für Seite selber - und wenn ich zu spät dran bin, kommt aus dem Kreis meiner E-Mail-Partner ein Hinweis via Telefon, dass mein Mail-Postkasten wegen Überfüllung geschlossen ist.

Der unverlangte "Support" von vorgestern fordert mich in der Betreff-Zeile auf: "Stefanie kaufen sie via diskreten MasterCard", und in der Nachricht finde ich ein Angebot desselben Potenzmittels wie am Tag davor unter dem Absender "Dr. Berkovic", der mir schon in der Betreffzeile "Guenstig Tabs einkaufen" in Aussicht stellte. Nur die werblich entblößten Damen unterschieden sich voneinander. Herzig fand ich die thematisch ebenfalls hierher ressortierenden Nachrichten mit der lautmalerisch irgendwie überzeugenden Betreffzeile "Err(!)ektionsprobleme?". Aparter waren da nur noch die russischen Damen, die mich alle stante pede ehelichen wollten.

In letzter Zeit bekomme ich auch wieder vermehrt afrikanische Zuschriften, die mich daran teilhaben lassen wollen, dass jemand Unglückseliger meines Namens in Afrika verstorben ist, dessen bei dortigen Banken lagerndes Vermögen ich - gegen Bekanntgabe meiner Kontonummer und Überweisung eines kleines Betrags zur Abwicklung der behördlichen Notwendigkeiten - erben könnte. Aber es sei Eile geboten, denn der unersättliche Staat sei im Begriff, das Geld für sich zu beanspruchen. Und ich, die ich immerhin den Nachnamen mit dem Erblasser teile, hätte das Nachsehen.

Eine Weile lang schrieben mir unverhofft Bekannte, die ich aus den Augen verloren hatte, etwa eine Mutter eines Kindergartenfreundes meiner Kinder, die irgendwo in einem unwirtlichen Land gestrandet meine Hilfe erheischte: Ich möge doch etwas Geld schicken, damit sie wieder nach Hause kommen könne. Da dachte ich tatsächlich kurz: Was, wenn das wahr wäre?

Ach, und die Bitcoiner laufen seit Monaten Amok in meinem Mail-Account! Zahlenmäßig sind sie die größte Pest. Sie zielen mit ihrer Werbetätigkeit auf den begreiflichen und wohl weitverbreiteten Wunsch, etwas mehr Geld zu haben als bisher. Aber da bleiben sie nicht stehen, sie versuchen die Todsünde der Habgier in mir zu erwecken. Bis dato konnte ich allen Versuchungen widerstehen.