Ankündigung für eine Folge von "Sport & Talk aus dem Hangar-7": "Heute kommt es zu einem Gipfeltreffen mit Andreas Herzog und Toni Polster. Über ihre Social-Media-Kanäle schieben sie sich regelmäßig die Wuchteln zu." Das hat mich motiviert, ein paar Gedanken über die Wuchtel zu Papier zu bringen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Das Wort stammt von tschechisch buchta ab, gemeint ist jede Art von Kuchen, der "aufgeht". Unsere Buchteln heißen im Tschechischen buchtiky, wie mir der Slawist Stefan Newerkla mitteilt. Zu der Speise kann man auch Wuchtel sagen. "Neilich sitz i umma hoiba zwa im Hawelka", singt Georg Danzer in "Jö schau", "bei a poa Wuchteln und bei an Bier." Wuchteln und nicht Buchteln! Die Wendung "aufgehen wie eine Wuchtl" bedeutet: Plötzlich sehr dick werden. Jeder Koch weiß, wie diese Bedeutung entstanden ist.

Ein Grund für den Anlautwechsel könnte sein: Im Tschechischen ist das B am Beginn des Wortes stimmhaft, einen derartigen Laut gibt es im Deutschen nicht. Manche vermuten, dass deshalb das B zu W geworden ist.

Wuchtel hat aber noch einen weiteren Wortsinn: Es handelt sich um einen wienerischen Ausdruck für den Fußball. Es dürfte also die Assoziation mit "wuchten" und "wuchtig" eine noch größere Rolle gespielt haben.

Außerdem existiert eine dritte häufige Bedeutung im Wienerischen, um diese geht es in der Ankündigung der Sportdiskussion auf "Servus-TV": Wuchtel ist das Wort für eine kräftige Pointe. Wer "Wuchteln schiebt", ist immer für einen Scherz gut, wer "Wuchteln druckt", macht billige Scherze.

Fußballer wie Herzog, ein in der Wolle gefärbter Rapidler, und Polster, ein waschechter Austrianer, haben also zeit ihres Lebens im doppelten Sinn des Wortes "Wuchteln geschoben". Der eine ist Rekordnationalspieler, der andere der Torschützenkönig der Nationalmannschaft.

Hier meine Lieblingswuchteln der zwei Kicker. Als Herzog bei Bayern München immer wieder früh ausgewechselt wurde, meinte er: "Ab der 60. Minute wird Fußball erst richtig schön. Aber da bin ich immer schon unter der Dusche." Nach dem Pokalsieg von Werder Bremen im Jahr 1999 ätzte er: "Der Pfau, der Superpfau, der Herr Effenberg. Da stolziert er über den Platz und dann verschießt er. Es gibt doch noch einen Fußballgott." Stefan Effenberg von Bayern München hatte im Elferschießen versagt.

Polsters berühmteste Wuchtel stammt aus einer Zeit, als es der Torjäger beim 1. FC Köln "polstern ließ". Die Vertragsverhandlungen zogen sich in die Länge und ein Reporter fragte nach den Ursachen. Da meinte Polster verschmitzt: "Es geht ums Geld, es ist dieses Mal umgekehrt: Der FC will mir mehr zahlen, als ich nehmen will. Die wollen mir das Geld praktisch aufdrängen, und das möchte ich nicht." - Reporter von Sat.1: "Wie darf man das verstehen? Das war jetzt ein Scherz, ja?" - "Haha, a Blitzgneisser, san Sie." In den nächsten Stunden liefen die Telefone heiß: Deutsche Journalisten fragten bei Wiener Kollegen nach, was Toni Polster mit "Blitzgneisser" gemeint hat.