Das ist ja ein richtiges Altherren-Auto, sagt meine Freundin (und sie sagt sonst nicht viel zu dem Thema). Das beginnt beim Anachronismus einer analogen Uhr im Armaturenbrett - und zieht sich als gediegene gestalterische Konservativität durch das ganze Fahrzeug. Nicht, dass mir das komplett missfiele: Der Lexus ES 300h ist eine wohlfeile, leicht exotische Alternative zu Mercedes, Audi, BMW & Co., wenn man auf Fahrzeuge der Oberklasse steht. Und das Auto macht äußerlich schon was her.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Es handelt sich um ein Modell der Luxusmarke von Toyota - und es soll mir als prototypisches Vehikel für die Beschreibung eines Phänomens dienen, das aktuell um sich greift: bloß demonstrativ so zu tun, als fahre man elektrisch (mit dem Rückenwind staatlich-stattlicher Förderungen). Wobei, eigentlich ist der Lexus das exakte Gegenteil: Er tarnt seine Stromer-Fähigkeiten ziemlich perfekt. Insgesamt erinnert er wenig an ein Auto der allerneuesten Generation, nur ein "Hybrid"-Schriftzug an der Flanke zeigt die innere Werte. Es handelt sich beim ES 300h um einen sogenannten Selbstlader - hier kombiniert man zwingend einen Benzin- mit einem Elektromotor; beim Fahren und vor allem beim Bremsen lädt Ersterer Letzteren. Das Auto selbst schaltet automatisch um, man kann als Fahrer gar nicht aktiv eingreifen. Lexus hat dafür folgenden Werbespruch entwickelt: "Kein Aufladen. Kein Diesel. Keine Kompromisse."

Die Doppelt-gemoppelt-Philosophie solcher Fahrzeuge ist freilich teuer. Meine These lautet: Es handelt sich um einen Kompromiss für Frühpensionisten, Handelsvertreter und Angsthasen. In der Praxis aber kann sie enorm beruhigend sein. Die realistische (weil reale) "Reichweitenangst" bei reinrassigen E-Autos wird wirksam hintangehalten. Man starrt nicht mehr ständig auf die Batterieanzeige oder die Online-Karte mit in der Nähe befindlichen Stromtankstellen. Herkömmliche Plug-in-Hybride - also Fahrzeuge, die mittels Ladekabel an die Steckdose gehängt werden können (freilich nicht unbedingt: müssen) - steuern oft bequeme Mitmenschen, die sich als Lademuffel erweisen. Sie verbrennen unnötig Benzin.

Um derartigem Etikettenschwindel einen Riegel vorzuschieben, hat die EU etwas entwickelt: eine eigens verbaute Kontrollvorrichtung. Sie steckt seit Jänner 2021 in jedem fabrikneuen Fahrzeug. Basis ist die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM (muss man sich nicht merken) - das Kürzel FCM steht jedenfalls für "Fuel Consumption Monitoring". Kraftstoff- und Stromverbrauch werden über die gesamte Lebensdauer eines Autos gemessen und an eine zentrale Stelle übermittelt; wie das mit dem Datenschutz zusammengeht, dürfen Sie mich nicht fragen. Fuhrparkbetreiber, die Förderungen für Elektroautos abstauben, aber weiterhin überwiegend Benzin tanken, könnten jedenfalls ein Problem bekommen. Man muss freilich dazu sagen, dass viele Plug-in-Hybride mit ihren kleinen Batterien nicht weit kommen - der Pferdefuß der aktuellen Generation.

Insofern ist die Toyota/Lexus-Selbstlader-Technik durchaus positiv zu werten. Sie wirkt gegen das ungezügelte Verbrennen fossiler Reserven. Als Zwischenschritt. Behäbig rollt man Richtung Zukunft.