"extra"-Ressortleiter und ehemaliger "Popodrom"-Teilnehmer Gerald Schmickl.
"extra"-Ressortleiter und ehemaliger "Popodrom"-Teilnehmer Gerald Schmickl.

Nicht nur auf der größten Bühne des Landes, die jeden Freitag mit "Starmania" via ORF in unzähligen Wohnzimmern aufgebaut wird, gibt es einen musikalischen Wettbewerb. Auch die Stadt Wien veranstaltet - in deutlich kleinerem Rahmen - einen derartigen Contest. Bei "Podium.Wien" konnten sich junge Musiker bewerben und durften in den vergangenen Wochen vor Jury und (Stream-)Publikum auftreten, und zwar in den Genres Hip Hop, Rock/Pop/Alternative, U20, Unplugged Solo und Unplugged Duo/Bands.

Dieser Wettbewerb ist ein später Nachfahre des legendären "Popodrom", das von 1976 bis 2001 stattfand und sich zum größten musikalischen Kräftemessen Europas entwickelte - mit bis zu 220 Teilnehmern in den 80er Jahren (u.a. Opus, Papermoon, Gary Lux, Andi Baum) und Finalshows in der Wiener Stadthalle. An dieses Format habe ich persönliche Erinnerungen, da ich in dessen Frühzeit selbst mehrmals daran teilnahm. Zuerst einmal mit einer Schülerband in der Disziplin Rock (es gab auch noch Jazz und Folk). Wobei mein Instrument so gar nicht dem Üblichen entsprach, denn ich trat mit einer Melodica auf. Das überforderte auch den Tontechniker (im Jugendzentrum in der Zeltgasse, wo damals die Vorauswahl-Bewerbe stattfanden): "Wo kummt’n do a Ton auße?", fragte er mich hilflos. Da es keine direkte Verstärkermöglichkeit gab, musste ich den leicht schnarrenden Ton dieses seltsamen Tasteninstruments in ein Mikrophon blasen, was nicht der einzige Grund für unser frühes Ausscheiden war...

Auch unser Bandname, Eternity, war nicht ganz glücklich gewählt: "Also nach Ewigkeit klingt’s ihr eher net . . .", spöttelte der Moderator Walter A. Pfneiszl (ein schon damals ältlicher Peter-Rapp-Typ, dem die Wiener Jugend- und Musikszene viel zu verdanken hat). Nicht viel besser erging es uns, als wir im Folk-Wettbewerb (ich mittlerweile mit Gitarre und Altflöte) unter dem Namen Katzenjammer/Kunstgenuss antraten. Wir wurden nämlich nur mit dem ersten Teil angekündigt, und als wir daraufhin vehement den zweiten Namensteil, also Kunstgenuss, einforderten, meinte der Moderator lakonisch: "Des werma east hearn..." Aus heutiger Sicht muss ich leider zugeben (und historische Aufnahmen auf Cassetten bestätigen das, selbst wenn man die schlechte Tonqualität berücksichtigt), dass seine Skepsis nicht ganz unberechtigt war...

Wir ließen uns trotzdem nicht entmutigen, schafften es - wenn ich mich richtig erinnere - einmal sogar bis ins (Rock-)Halbfinale. Und einige unserer Bandmitglieder machten danach (während ich mich der Popmusik fortan nur noch journalistisch widmete) kleine, feine Karrieren: Einer wurde Bassist bei der Hallucination Company, ein anderer begleitete die Jazz- und Avantgarde-Musikerin Mia Zabelka.

Und nicht zu vergessen "Gunkl" Günther Paal, der uns gemeinsam mit seinem geigenden Bruder (der klassischer Profimusiker wurde) gelegentlich am Saxophon unterstützte. Der spätere Kabarettist konnte sich (und uns) - anstelle eines sarkastischen Moderators - freilich schon damals witzig selbst verarschen.