Zu den größten Ärgernissen des Alltags zählt mittlerweile das moderne Bankwesen. Gut, man könnte auch Paketdienste, Parkschein-Apps oder die Datenschutzmanie nennen, aber die Widrigkeiten im Zahlungsverkehr schlagen so ziemlich alles. Mir berichten Freundinnen und Freunde (Feinde sind mitgemeint), dass sie an simplen Überweisungen scheitern. Oder einer Zahlung per Kreditkarte (sagt man das überhaupt noch in Zeiten von V-Pay, ApplePay und Co.?). Einmal, weil irgendein neuer, noch sicherer Secure-Code benötigt wird, den man partout nicht parat hat, dann wieder streikt die Bank-IT - besonders oft die der Bank Austria - oder der eigene Computer. Oder man scheitert am Abtippen endloser Zahlenkolonnen und deren penibler Eingabe in Online-Formulare. Selbst schuld! Meist lässt sich überhaupt kein exakter Grund eruieren, ja nicht einmal erahnen. Es klappt einfach nicht.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Ein erstaunliches Phänomen im Turbokapitalismus am Höhepunkt seiner Macht, finden Sie nicht? Man will etwas kaufen, wird aber daran gehindert. Und es liegt nicht am leeren Konto, das würde man ja durchaus gewärtigen. So der Online-Zugang funktioniert. Die Dienstleistungsgesellschaft verhungert am Automatenbuffet. Daran, dass wir die Arbeit anderer machen, die dafür extra kassieren, haben wir uns eh längst gewöhnt.

Mein Bankbetreuer findet das wahrscheinlich nicht witzig. Aber existiert er überhaupt noch? Ich würde ihn gerne wieder einmal persönlich treffen. Er aber verweist auf grassierende Virusmutationen und den Umstand, dass ich ihm noch nicht das Schreiben zum kryptischen Thema KYC-Update gem. §6 FM-GwG ("Sind Sie eine politisch exponierte Person? Kopie eines gültigen, gut leserlichen amtlichen Lichtbildausweises beilegen!") zukommen habe lassen. Sicher, so will man Finanzbetrug, Korruption und Geldwäsche hintanhalten, das muss man verstehen. Lässt sich ja wunderbar per Formularvordruck erledigen, eine gewisse bürokratische Ehrlichkeit unter Verbrechern vorausgesetzt. Haben die Damen und Herren von Commerzialbank Mattersburg, Meinl Bank, Hypo Alpe Adria oder gar Wirecard-Chefetage eh immer brav das Zettelwerk ausgefüllt? Wurden die Papierstöße auch minutiös von der Finanzmarktaufsicht kontrolliert? Und gilt das auch für die Gehaltskonti der Nationalbank, ausgelagerte Einlagensicherungsdepots der Raiffeisen-Bank oder die Bank am Wegesrand der bevorzugten Kinderwagenausflugsroute der Frau des Finanzministers? Na dann.

So gesehen sollte es auch die Card Complete Service Bank AG nicht kratzen, dass ich mit der Beantwortung ihres freundlichen Mahnschreibens im Verzug bin. Aber wahrscheinlich ist die Kreditkarte eh schon gesperrt und, wie angedroht, die Geschäftsbeziehung beendet. Spart Geld, muss ja nicht zwanghaft konsumieren, kaufen, Kohle in den Markt schaufeln. Werd’ ich halt zum Paria der Finanzwelt (kann ich dann bei der Zweiten Sparkasse der Ersten vorstellig werden?). Seltsamerweise wird mir trotzdem jeden dritten Tag eine Platin-Super-VIP-Karte konkurrierender Institute angedient. Gratis. Dringlich. Spesenfrei (vorgeblich). Die Branche sollte einmal ihre schwarzen Listen aktualisieren.