Früher, als die Welt noch in Ordnung war und kein Mensch einen grünen Impfpass gebraucht hat, um zum Beispiel öffentlich ein Bier zu trinken, durfte ich mir aussuchen, ob ich mir mein Taschengeld hinter der Theke oder am Empfang des elterlichen Hotels verdienen wollte. Ich habe mich für den Empfang entschieden. Die Auswirkungen spüre ich bis heute.

Die plötzliche Einberufung zum Nachmittags-nach-der-Schule-Rezeptionisten in einem Kärntner Kleinstadt-Hotel gegen Ende der 70er Jahre hat mich automatisch zum Einzelgänger gemacht. Besonders in der Nebensaison. Bald schon konnte ich perfekt stundenlang allein in einem leeren Hotelfoyer sitzen und mich hauptsächlich mit mir selbst beschäftigen. Da gab es genug zu tun. Falls doch mal Gäste kamen, hat mich das eher gestört als angespornt. Noch ein Grund, warum das Hotel schlussendlich an meinen kleinen Bruder ging. Aber unvergleichlich als frühe Vorbereitung auf die Pandemie.

Im Grunde, denke ich gerade, während der Blick leicht gelangweilt über meine Wanderschuhe streift, im Grunde ist der einzige Unterschied zwischen heute und vor etwas über 40 Jahren, dass damals die ganze Welt noch nicht dauernd spazieren gegangen ist, während wir heute die besseren Fernsehserien haben. In einfachen Worten kann man dieses Gefühl auch so beschreiben: Noch ein Streifzug durch den Wienerwald und ich werfe wild mit Wurzeln und Bärlauch um mich. Genug ist genug. Wofür hat der Herrgott die Streamingdienste erfunden? Sicher nicht, damit der Krobath spazieren geht. Religiöse Argumente gepaart mit hysterischer Verzweiflung kommen am besten in der Krise. Das habe ich schon bemerkt.

Bücher lese ich nur noch, wenn sie mindestens tausend Seiten haben. Ansonsten kommst du mit dem Bestellen nicht mehr nach. Und ins Kino würde ich auch ganz gerne wieder mal gehen. Popcorn, was war das noch? Allmählich drehen sogar die Schauspieler durch. Unser neuer Gesundheitsminister pocht auf Psychotherapie auf Krankenschein. Ich denke, das wird notwendig sein. Ich meine ja selbst schon, dass ich leicht merkwürdig werde. Die brave Ehefrau meint, sie sieht das schon seit 30 Jahren. Aber die neigt zum Übertreiben.