Tut mir leid. Ich kapier’s nicht. Ein Pass ist ein Pass ist ein Pass. Er legt Personalia, Status und spezifische Daten offen. Das gilt für einen Reisepass oder Personalausweis genauso wie für einen Impfpass. Ich habe von Letzterem noch eine uralte rosa Papierversion (heute gilt international eine gelbe Ausführung) in irgendeiner Schreibtischschublade aufbewahrt, aus sentimentalen Gründen. Viele Einträge sind bereits verblasst. Die Impfdaten korrelieren ab dem Tag meiner Geburt mit den üblichen Kinderkrankheiten und Danaergeschenken aus dem Reich der Viren und Bakterien. Wer möchte sich schon, egal welchen Alters, Cholera, Kinderlähmung oder Tollwut, Keuchhusten, Pocken oder Hepatitis A/B einfangen? Dazu hat sich bekanntermaßen global Covid-19 gesellt, mit kaum überschaubaren Mutationen, die die Sache noch diffiziler und heikler machen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Nun also winkt ein grüner Pass als Freifahrtschein in eine lichtere Zukunft. Viele Details sind noch unklar. Etwa, ob dieses Zertifikat einmal mehr auf Papier geschrieben sein wird. Oder alternativ die Segnungen der Digitalisierung, die anno 2021 auch nicht mehr als allerneuester Modegag gewertet werden kann, erschließt. Und, wenn ja, in welcher Form? Die derzeit gültige Aussage unserer Verwaltungsbehörden lautet: bis zur Einführung eines einheitlichen, EU-weit gültigen Zertifikats setzt man auf eine nationale Übergangslösung. Einen Impf-, Test- oder Genesungs-Nachweis in Zettelform. Immerhin mit QR-Code. Den darf dann Ihr Friseur, der Wirt ums Eck oder der Opernbilleteur genauso auslesen wie der Grenzpolizist oder Hausarzt. Wobei: Er erfährt nur, ob ja oder nein, rot oder grün, gesundheitlich gesellschaftsfähig oder nicht. Angeblich.

Virologisch ist das logisch und hilfreich (auch wenn es Bedenken gibt, etwa jene, getestete und geimpfte Personen in ihrem Ansteckungspotenzial gleichzusetzen). Das Spitalspersonal dürfte aufatmen. Aber jetzt biegen die Datenschützer um die Ecke. Etwa Hans Zeger von der ARGE Daten. "Ich hege Zweifel, ob der Grüne Pass verfassungskonform umgesetzt werden kann", so der Fachmann. "Falls er technisch sicher gemacht wird, erhält die betreibende Einrichtung nämlich einen exakten Einblick in die Lebensführung der Menschen. Zusätzlich erhält der Passkontrolleur die Einsicht in den Gesundheitsstatus. Ein Stempel ist doch völlig ausreichend."

Tut mir leid. Ich kapier’s nicht. Ein Pass ist ein Pass ist ein Pass. Er legt Personalia, Status und spezifische Daten offen. Jedem, der dazu berechtigt ist. Was sonst? Dass meine Mutter, die nicht einmal ein Smartphone ihr eigen nennt, auch perspektivisch keine App mit sich tragen wird, liegt auf der Hand. Aber sie steigt auch nicht mehr ins Flugzeug. Der digitale QR-Code, der wohl eine simple und flüssige Kontrolle ermöglichen soll, lässt sich auch auf Papier ausdrucken. Eine Mischform aus Zetteln, Apps, Stempeln, Codes, gelben und grünen Pässen endet absehbar im Chaos. Nicht? Ich sage es offen: Ich werde die aktuelle Geschäftsführung des Staates Österreich, aber auch der EU, daran messen, ob sie den Datenschutz seriös, aber auch wirklich praktikabel implementiert. Das gilt freilich auch für die Bedenkenträger mit dem Hang zu Stempelkissen.