Andere Länder, andere Sitten, Teil eins. In Frankreich wird ebenfalls über das Gendern in der Sprache diskutiert, aber mit anderen Vorzeichen. Worum geht es? Während im Deutschen ein Unterstrich oder ein Stern gesetzt wird, wie etwa in "Politiker_innen", gibt es im Französischen einen anderen Vorschlag: In die Endung des Wortes sollen Punkte gesetzt werden: "député.e.s" (Parlamentarier_innen) oder "électeur.rice.s" (Wähler_innen).

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat nun diese Schreibweise an den Schulen und in seinem Ministerium verboten. Zur Begründung hieß es in einem am vergangenen Donnerstag in Kraft getretenen Erlass, die Schreibweise mit Punkten stimme nicht mit den in den Lehrplänen vereinbarten Regeln überein. Vor dem Bildungsausschuss der Nationalversammlung erläuterte Blanquer die Maßnahme. Die Methode sei zu komplex und sie behindere das Lesen sowie das Erlernen der französischen Sprache. Zuvor hatte der Minister bereits darauf hingewiesen, wie schwierig die Vermittlung von Französisch sei, wenn in der Mitte von Wörtern Punkte gesetzt würden. Vor allem Schüler mit einer Lese- oder Rechtschreibschwäche würden sich damit schwertun.

Bereits im November 2017 hatte der damalige Premierminister Edouard Philippe die französischen Ministerien angewiesen, keine genderneutralen Konstruktionen zu verwenden, nachdem ein Schulbuch mit derartigen Schreibungen für heftige Debatten gesorgt hatte. Auch die Académie française als oberste Hüterin des Französischen hatte die Neuerung abgelehnt. Sie stellte ebenfalls fest, dass die "Verständlichkeit und Klarheit" der französischen Sprache darunter leiden würde.

Der Schritt von Blanquer stieß wie erwartet nicht überall auf Gegenliebe. Die französische Bildungsgewerkschaft SUD warf dem Minister vor, der "pädagogischen Gemeinschaft seine eigene Rückständigkeit aufzuzwingen". Mit anderen Worten: Wer nicht gendert, ist rückwärtsgewandt.

Andere Länder, andere Sitten, Teil zwei. Der Ingolstädter Autobauer Audi hat Anfang März beschlossen, in der internen und externen Kommunikation des Unternehmens zu gendern. Konkret spricht das Unternehmen nun etwa nicht mehr von "Audianern", wenn es seine Mitarbeiter meint, sondern von "Audianer_innen". Der Unterstrich soll angeblich auch in der gesprochenen Sprache funktionieren - mit einem sogenannten Knacklaut.

Ein Volkswagen-Mitarbeiter zieht gegen den Gendergap von Audi zu Felde, weil er in zahlreichen Gremien direkt mit Audi-Vertretern zusammenarbeite und bezüglich der zu verwendenden Sprache konkrete Anweisungen von Audi-Mitarbeitern erhalten habe. Da sich Audi weigerte, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, soll nun ein Grundsatzurteil erwirkt werden, "eine klare juristische Entscheidung mit Signalwirkung", wie die Anwälte des VW-Mitarbeiters meinten. Der "Verein für deutsche Sprache" unterstützt den Mann dabei ideell und finanziell. Auch in diesem Fall ist das klassische Argument der Gendergegner zu hören: Die Sprachvorgaben von Audi sind nicht zulässig, weil sie gegen die Rechtschreibregeln verstoßen.