Was wollte ich eigentlich kaufen? Das wäre jetzt noch interessant. - © Tim Reckmann from Hamm, Deutschland, CC BY 2.0
Was wollte ich eigentlich kaufen? Das wäre jetzt noch interessant. - © Tim Reckmann from Hamm, Deutschland, CC BY 2.0

Sollten Sie in Ihrem Supermarkt jemanden dabei beobachten, wie er auf sein Einkaufswagerl gestützt über mehrere Minuten hinweg regungslos auf einen Zettel starrt, so handelt es sich dabei um mich.

Meine Handschrift, die im Wesentlichen nur mehr zum Schreiben des Einkaufszettels zum Einsatz kommt, ist mittlerweile so degeneriert, dass ich sie selbst oft nicht mehr entziffern kann. Diverse Apothekerinnen und Apotheker kennen ein ähnliches Phänomen als "Hausarzt-Syndrom". Was ich etwa neulich im Sinn hatte, als ich ein großes H (?) mit fünf nachfolgenden gleichförmigen Hügeln und zwei größeren Erhebungen niederschrieb, ist mir beispielsweise bis heute ein Rätsel. Außerdem ist mir noch immer kein Produkt bekannt, das aller Voraussicht nach mit "Krans" beginnt, bevor eventuell ein Diphthong und sehr bald vermutlich ein Umlaut folgt. Gut, dann kaufe ich das halt nicht!

"Je mehr Genie, desto schlechter die Handschrift": Diesen meiner Meinung nach sehr schönen und absolut richtigen Aphorismus von Karl Julius Weber lässt man zu Hause in Bezug auf mich auf jeden Fall leider nicht gelten. Wobei das Problem nicht nur im Bereich der Handschrift als solcher liegt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich die Liste über die Woche hinweg laufend ergänze bzw. nicht mehr Gewünschtes mit dicken Kugelschreiberknäueln schwärze wie sonst nur ein durchschnittliches österreichisches Ministerium seine Akten für einen U-Ausschuss. Manchmal bleibt am Ende etwa für ein Wort wie "Geschirrspülsalznachfüllpackung" (mit dem Markennamen als Zusatz in Klammern!) nur mehr ein Raum übrig, der zum Beispiel für "Tee" mit viel Glück gerade noch reichen würde - mit mittlerweile gewohnten Folgen: Eigentlich komme ich jede Woche mit dem gleichen Einkauf nach Hause, der mir zumindest das Gefühl gibt, nichts vergessen zu haben.

Vielen Dank übrigens für den Rat! Nein, ich werde meinen Einkaufszettel in Zukunft trotzdem nicht auf meinem Smartphone schreiben und von diesem ablesen. Erstens sehe ich zwischen den Regalschluchten bereits ausreichend viele Menschen mit Brett vor dem Kopf. Zweitens braucht die Organisation meiner täglichen Bedarfsartikel Konzentration, die mir das Handy im Sekundentakt raubt. Toll, in meinen Signal-Gruppen ploppen gerade zwölf und auf WhatsApp acht neue Nachrichten auf. Von den diversen E-Mails und entgangenen Anrufen ganz zu schweigen.

Wenn ich im Supermarkt Stress haben will, kann ich auch den Feinkost-Drängler mit dem Muckibuden-Body dazu auffordern, sich gefälligst hinten hinzustellen, ja geht’s noch?! Ich aber bin hier, um friedlich und in Ruhe einfach nur mein "Plpn??äuer?xt" einzukaufen. Du meine Güte, was soll denn das schon wieder sein? Egal. Das Notwendigste ist ja eh schon im Wagerl.