Einmal mehr: ein mächtiges Auto. Dass es nur "Mittelklasse" ist, so der Verkäuferjargon, sieht man ihm nicht an. Ordentliche Länge (es handelt sich um einen Kombi), feines Interieur samt Harman/Kardon-Audio-Anlage, die klassenüblichen Features. Mit einem Zuschlag in puncto Sicherheit - es handelt sich schließlich um einen Schweden. Volvo. Modell V60 T6 Twin Engine AWD. Ein Hybrid also (Plug-in, Geschmacksrichtung: mild), mit Allradantrieb, Zweiliter-Benziner, doppelte Aufladung mittels Kompressor bis 3.500 Touren und Turbo oberhalb, dazu ein 65 Kilowatt und 240 Newtonmeter starker E-Motor an der Hinterachse, Achtgangautomatik und 96 Lithium-Ionen-Batteriezellen im Mitteltunnel mit einer Gesamtkapazität von 11,6 kWh. Die liefern fast ständig Zusatzschub. Gesamtsystemleistung: 341 Pferdestärken. Das hätte man einmal einem kaiserlichen Stallwart des Mittelalters vermitteln müssen, welche Armada an Zugkräften man dieser Kutsche vorspannt.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Diese Eckdaten schreien nach der Langstrecke, wiewohl man in der Stadt mit einer rein elektrischen Reichweite von 50 Kilometern keine schlechte Figur macht. Aber 529 Liter Gepäcksraum und über 2 Tonnen Gesamtgewicht, um damit mutterseelenallein ins Büro zu pendeln? Das erschiene dann doch leicht obszön. Und man merkt auch, dass die Kraft und Antrittsschnelle solcher Fahrzeuge - das gilt, weil systembedingt, auch für kleinere E-Autos - irgendwie nicht mehr kompatibel ist mit dem Zeitgeist, der Defensive des Autoverkehrs und der Überfülltheit der Städte.

Hat man nicht gelesen, dass in Spaniens Metropolen jetzt durchgängig eine 30 km/h-Begrenzung gilt? Und dass, hat man die Stadtgrenze einmal hinter sich gelassen, die ersten Hersteller jetzt freiwillig bei 180 km/h Höchstgeschwindigkeit abriegeln? Volvo etwa.

Tatsächlich gilt das auch für diesen Kombi. Mit 230 Sachen über deutsche Autobahnen brausen war einmal. Hier steht der Computer auf der Bremse. Real mag das Hobbyrennfahrern Schmerzen bereiten, in der Praxis spielt es kaum eine Rolle. Der Symbolwert ist freilich beachtlich: Das Wettrüsten auf Kosten des Verbrauchs und der Umwelt hat ein Ende. Und Volvos restriktive Politik wird bald nicht mehr als Kuriosum gelten, sondern als die Norm. Gut so.

Freilich könnte man das Konzept bis zum Ende denken (und ich ahne, dass das manchen PS-Hubern gar nicht gefallen wird): eine zwingende Wechselwirkung zwischen Bordelektronik und den äußeren Rahmenbedingungen des Verkehrs. Etwa Tempolimits. Technisch ist das ja überhaupt kein Problem mehr: Die Erkennung von Verkehrszeichen funktioniert längst automatisch und lückenlos, Sie müssen nur einen Blick auf Ihr Armaturenbrett werfen.

Jetzt müssten nur noch Gesetzgeber und Ingenieure mitspielen: Dann würde 30 km/h innerstädtisch auch wirklich 30 km/h bedeuten. Erzwungenes Schneckentempo? Sagen wir einmal so: Polizei, Feuerwehr und Rettung dürfen wohl schneller fahren. Und es wird genug Schlitzohren geben, die die elektronische Drossel auszubauen versuchen. Karossen wie ein V60 T6 schreien danach. Irgendwie. Aber irgendwie auch nicht mehr.