Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.
Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Am Sonntag versammelt sich die Familie langsam am Frühstückstisch. Zuerst treffen die Eltern ein, dann kommt eine Weile lang niemand. Irgendwann, wenn man die erste Welle der Ungeduld überstanden hat, kommt das erste Kind, meist im Pyjama und gähnend herunter. "Die Kinder" sind unversehens in der Lebensphase angelangt, in der ein Freund vor Jahren seine Kinder, die nunmehr schon junge Eltern sind, als "bettlägerig" bezeichnete. Die jungen Leute können nur schwer aufstehen, egal, wie hoch die Sonne stehen mag. Und vergangenen Sonntag war nirgends auch nur ein Sonnenstrahl zu sehen, vielmehr verdüsterten dunkle Wolken den Himmel. Sie verhießen uns einen überaus gemütlichen Tag.

Die Katzen waren dennoch schon in aller Früh auf die Jagd gegangen. Fredi kam aus der Wiese zurück und schlich sich wie zehnmal am Tag an das Vogelhaus an, schnellte aus seiner kauernden Position in die Luft - und hatte überraschend einen Gimpel erwischt. In solchen Momenten rede ich mir gut zu, das sei die Natur, da könne man nichts machen. Und als J. ein paar Minuten später am Frühstückstisch Platz nahm, sprang Fini von außen auf das Fensterbrett und zeigte uns eine schlanke, offenbar vor kurzem verblichene Maus, die sie quer im Maul trug. J. meinte lakonisch, nun könne sie nichts mehr essen. Es dauerte ein paar Minuten, dann zeigte sich: So schlimm war der Schreck doch gar nicht gewesen; der Honigtoast schmeckte vorzüglich. Zu Mittag, als es gefüllte Kalbsbrust gab, befand J. mit einem Mal, dass sie nun kein Fleisch essen könne.

Ich habe nichts gegen Vegetarismus, wenngleich ich gestehe, dass er mir auf die Nerven geht, wenn er zwei Minuten vor der Mahlzeit ausgerufen wird. Aber da J.s Schwester T. häufig Fleischhunger für zwei hat, war das Stück von J.s Teller so schnell weg, dass ich gar nicht zum Murren kam. Wir waren gerade beim Kaffee angelangt, da schlich sich Kater Fredi wieder an das Vogelhaus an. Diesmal sollte die Natur nicht ihren Lauf haben! Ich rannte hinaus und machte Krawall, um die Vögel zu warnen. Da gab Fredi auf und fraß Dosenfutter.

Am späten Nachmittag leerte ich die Waschmaschine, hängte die Wäsche auf und fand ein merkwürdiges Knäuelchen im Wäschekorb. Ich hob es an einem schnürlartigen Fortsatz auf und stellte fest: Es handelte sich um eine bei 40 Grad gewaschene und mit 1.300 Umdrehungen geschleuderte Spitzmaus. Ich beklagte mich bei meinem Mann über die Maus in der Waschmaschine, da gestand er, sie in mumifiziertem Zustand gefunden zu haben. Er hatte sie mir zeigen wollen und in seine Arbeitshose gesteckt, die ich gewaschen hatte, ohne die Hosensäcke zu leeren.

Wenn ich da in die Tasche gegriffen hätte ... Am Abend gab es dann Buchteln mit Vanillesoße.