Man muss jetzt auch einmal ehrlich sein: Natürlich gibt es seit Tagen Fragen um den Kanzler. Kann er im Amt bleiben, wenn gegen ihn ermittelt wird? Kann er im Amt bleiben, wenn er angeklagt wird? Warum weht eine israelische Flagge am Bundeskanzleramt? Ist das ein Statement? Vielleicht weil gegen den israelischen Amtskollegen des Kanzlers schon seit drei Jahren ermittelt wird und der immer noch im Amt ist?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Gar nicht zu reden von den anderen sich aufdrängenden Fragen: Was macht man mit einem Finanzminister, der zuerst nicht weiß, ob er einen Laptop hat, dann ihn spazieren führen lässt, um schließlich alle seine E-Mails auszudrucken? Und was ist von einem Parlamentspräsidenten zu halten, der den Werkzeugen des Parlamentarismus (Untersuchungsausschüssen etwa) die Schärfe nehmen will (Abschaffung der Wahrheitspflicht zum Beispiel)?

Das alles sind wichtige Fragen. Aber so wichtig auch wieder nicht. Schließlich sind die betreffenden Ämter (Kanzler, Finanzminister, Parlamentspräsident) nicht lebenswichtig für dieses Land.

Da gibt es Funktionen, die weitaus wesentlicher sind: Chef der Wirtschaftskammer etwa, oder Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts oder der Präsident der Nationalbank. Weshalb auch einfachheitshalber die drei Funktionen von ein und derselben Person ausgefüllt werden. Nach dem Prinzip: Schlanker Staat, fette Bezüge.

Aber all diese Ämter, Posten und Posterln sind nichts gegen diese eine Funktion, diese graue... nein, weiße Eminenz, die alles im Lande überstrahlt: den Präsidenten des Österreichischen Ski-Verbands.

Denn er ist der Herrscher über die Berge, die Gipfel, die Bretter, den gfiarigen Schnee, die Skilifte und Seilbahnen, aber auch Seilbahnen und Skilifte und Wintersportevents und Skilifte und Super-G und Nachtslaloms und Hüttengaudi und Seilbahnen und Ski-WMs und Skilifte und die tausenden Vermarktungsstrategien für eine Art von Wintersport, dem es in 50 . . . vielleicht sogar schon 30 Jahren einfach am nötigen Schnee mangeln wird.

Aber egal, er ist der Herrscher über ein Königreich von Sonneninseln, die aus dem grauen Hochnebel bis über 3.000 Meter herausragen. Inseln, die jedes Jahr ein Stückchen weniger weiß in der Sonne glänzen. Ein Königreich, in dem es keinen Missbrauch gibt, weil alle in den Skischulen, Skigymnasien, Skiuniversitäten, Ski-Post-Gradualen-Studien, Ski-Exzellenz-Initiativen und in anderen Formen des Ski-ismus (Ähnlichkeiten mit religiösen Bewegungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt) eine einzige "Große Familie" sind. So ähnlich wie in der katholischen Kirche. Ein Königreich aus Schnee also, das aufgrund des Klimawandels jeden Tag ein bisschen kleiner wird. Und doch beherbergt es unsere Besten: die Skifahrer. Schließlich gibt es kein größeres, edleres und hehreres Ziel, als Skifahrer zu sein. Was kann man auch für die Gemeinschaft sinnvolleres tun, als mit geschätzten 100 km/h Berge hinunter zu rutschen? Eben.

Und jetzt haben wir einen neuen König. Na, endlich! Alles gut gegangen. Erleichterung macht sich im Volk breit und man tanzt - so ist es üblich - mit den Skischuhen auf den Tischen. Und wer unter dem Kanzler ist, ist wirklich wurscht. Heeeeey Baby! Hu! Ha!