Was haben wir gelacht. Die Tölpel und die Technik! Da war zum Beispiel die Geschichte mit dem Videofilter bei einer virtuellen Gerichtsverhandlung. Ein US-Richter hatte eine Anhörung via Zoom einberufen, ein Anwalt erschien im Bild des Konferenzprogramms als Kätzchen. "Sie müssen den Filter wegschalten", ermahnte ihn der Richter. "Ich weiß nicht wie", hörte das Auditorium (das rasch, nachdem sich das skurrile Szenario viral verbreitet hatte, auf ein Millionenpublikum anschwoll) den Anwalt ächzen. "Meine Assistentin wird es versuchen." Die Kollegen des Anwalts staunten derweil Bauklötze. "Es klappt nicht. Ich bin wirklich hier", ließ der gute Mann vernehmen. "Ich bin keine Katze, bitte glauben Sie mir!" Das tat man dann auch, erstaunlich ungerührt.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

"Das Internet is a Hund!", kommentierte ein Freund die Story. Ich hatte noch einige weitere amüsante Anekdoten anzufügen. Etwa jene vom Unternehmer, der während eines Web-Meetings mit dem brasilianischen Staatspräsidenten die Kamera nicht ausgeschaltet hatte. Und frischfröhlich eine Dusche nahm - bei der ihm freilich der halbe Hofstaat zusah. Ähnliches passierte einem Politiker in Kanada, der nackt in einer Videokonferenz auftauchte. Legende sind die TV-Korrespondentenberichte, in denen plötzlich spielende Kinder oder die Putzfrau durchs Bild geistern.

Wirklich zum Albtraum wird die Sache aber, wenn die Kamera unbeabsichtigt weiterläuft und wirklich Intimes ins Zentrum des Geschehens rückt. Davon kann der Journalist Jeffrey Toobin vom Magazin "New Yorker" ein Lied singen: Der hatte sich mit Kollegen zusammengeschaltet, um über die US-Präsidentenwahl zu diskutieren, und nutzte eine Pause für ungenierte Selbstbefriedigung. Leider vor unfreiwilligen Zeugen. "Ich dachte, niemand könne mich sehen", klagte der umgehend vom Dienst freigestellte Kommentator.

Ja, dachte ich auch. Denn neulich ist mir selbst das Lachen vergangen. Und zwar ziemlich. Es war so: Ein junger Kollege hatte zu einer Videokonferenz eingeladen, wo es unter dem Titel "Quo vadis, Wiener Zeitung?" um die Zukunft der Publikation ging, die Sie gerade in Händen halten (oder online studieren). Anwesend auf der virtuellen Bühne waren nicht nur der Chefredakteur der "Wiener Zeitung", sondern auch honorige Medienforscher, eine prominente ORF-Moderatorin sowie unzählige weitere Kapazunder und Potentaten. Mittendrin ich, dessen Facebook-Präsenz man offensichtlich schätzte.

Da ich aber zeitgleich mit der durchaus interessanten Diskussion den Kassaschluss meines kleinen Plattenladens zu erledigen hatte, schaltete ich mich (vermeintlich) weg und zählte den Tageserlös. Immerhin: ein kleines Geldbündel. Dass ich noch sichtbar war für die anderen Diskussionsteilnehmer, während ich mich selbst ausgeblendet hatte, kam mir nicht in den Sinn. Bis zu dem Moment, wo das Telefon klingelte und ein Freund meinte: "Du zählst gut sichtbar Geld. Was hat das zu bedeuten? Willst Du die ‚Wiener Zeitung‘ kaufen?"

Nun: wollen schon. Können leider nicht. Um aber lange noch im Gedächtnis der Zuseher als "der Kolumnist mit der Kohle" zu verharren, dafür dürfte es reichen.