Sogar Lampenfieber hab ich gehabt. Wie damals in der Schule. Vor der Matura. Am Mittwoch bin ich nämlich zu einer mündlichen Prüfung angetreten, und das war tatsächlich eine Art Reifeprüfung. Das Ergebnis würde man mir allerdings erst 24 Stunden später mitteilen. (Das ist ja Folter!) Noch haben die sich zwar nicht bei mir gemeldet, irgendwie hab ich freilich so eine Ahnung, dass ich durchgefallen bin - beim Gurgeltest.

Natürlich hätte ich den auch bequem auf dem Sofa absolvieren können. Vor der Webcam. Trotzdem wollte ich lieber vor Live-Publikum gurgeln. Weil ich eben eine Rampensau bin. Blödsinn. Es war schlichtweg mein erstes Mal, und da wollte ich einfach jemanden dabeihaben, der aufpasst, dass ich alles richtig mache. (Außerdem hat mich die lange Gebrauchsanweisung überfordert, die beim "Alles gurgelt"-Test-Kit dabei gewesen ist, das mir kurz davor beim Einkaufen plötzlich irgendwer in die Hand gedrückt hatte.) Drum hab ich mich zu so einer Gurgelbox begeben. Zu der neben dem Burgtheater. Ist im Grunde wie beim Würstelstand, nur mit Anmeldeschalter. Und ohne Würschtel. He, warum hab ich niemanden anhauchen müssen, um zu beweisen, dass ich brav meine Zähne NICHT geputzt hatte? (Mundhygiene kann das Resultat verfälschen.) Offenbar haben die mir blind vertraut. Oder Angst vor meinen Aerosolen gehabt. Jedenfalls wurde mir aus dem nächsten Fenster ein Becherl gereicht. Zuerst war ich verwirrt und wollte schon nachfragen, ob die hier eh einen Coronatest machen und keinen Drogentest und ob das womöglich die Pinkelbox wäre. Dann hab ich’s kapiert. Ach, damit ich die Salzlösung nicht unkultiviert aus dem Flascherl zutzeln muss! Aber wo tu ich derweil das Probenröhrchen hin, das ebenfalls im Becher drin ist? Und das "Transferröhrchen"? In den Hosensack? Auf den dreckigen Sockel vom Volksgartenzaun legen? Besser doch aus der Flasche trinken. Also gurgeln, durchs Strohröhrl spucken . . . hoppala. Das mit dem Zielen muss ich noch üben. Na ja, kein Wunder bei dem klitzekleinen Kaliber. Das nächste Mal nehm ich mir einen Trichter aus meiner Küche mit für den "Transfer". Total angetrenzt war ich. Wenigstens gab‘s eine Miniserviette.

Daheim hab ich mir noch einmal besagte Gebrauchsanweisung durchgelesen. Weil ich das vage Gefühl hatte, irgendwas falsch gemacht zu haben. Ziemlich am Schluss: ". . . und achten Sie darauf, dass der Zellstoff im Schutzbeutel bleibt." Oh, und ich hab den weggeschmissen! Und wieso "Zellstoff"? Und nirgends steht: "Wischen Sie sich vor laufender Kamera mit dem Zellstoff den Mund ab." Panik. IST das vielleicht gar keine Serviette? Sondern in Wahrheit der Beweis, dass man sich alles bis zum Ende durchgelesen und es obendrein verstanden hat? (Das ist ja eigentlich ein einsamer Test für zuhause.) Und lediglich wenn das weiße Fleckerl fehlt, schauen die sich das Gurgelfilmchen an. Schließlich können sie sich nicht 100.000 Homevideos reinziehen. Pro Tag! Verdammt, nicht einmal ein Selfie hab ich gemacht, das ich denen zur Not schicken könnte.

(Hoffentlich ist der "Zellstoff" im Sackerl bloß dazu da, die Spucke außen am Probenröhrchen zu absorbieren.)