Sie gehören zu den großen Gewinnern der Corona-Krise, und das im Wortsinn: In Zeiten von behördlich verordneten Ausgangssperren und Besuchsverboten für öffentliche Einrichtungen florierten Online-Glücksspielportale wie nie zuvor. Doch auch die altbekannten Brettspiele erlebten einen Boom im Kreis der Familien als willkommene Ablenkung nach ermüdenden Videokonferenzen und nervigem Homeschooling.

Ein Trend mit langer Tradition. Schließlich suchten schon mythische Heroen nach ihren heldenhaften Taten Entspannung beim Brettspiel, wie es eine der berühmtesten Vasendarstellungen der griechischen Antike zeigt: Auf einer im 6. Jh. v. Chr. entstandenen Bauchamphora, die sich heute in den Vatikanischen Museen befindet, sitzen zwei homerische Helden beim Spiel zusammen. Achilles und Ajax sitzen nach unten geneigt auf niedrigen Hockern und strecken die Hände aus, um die im Spiel erworbenen Punkte zu zählen, und zwar jeweils vier und drei - wie aus den Inschriften hervorgeht. Diese Episode ist literarisch nicht überliefert und könnte vom Künstler Exekias erdacht worden sein, der zu den großen Meistern der attischen Vasenmalerei zählte.

Aber Glücksspiele waren in der Antike keineswegs den Göttern und Heroen vorbehalten: Vom Adeligen bis zum Sklaven wurde im alten Griechenland quer durch alle Schichten gezockt. Neben Würfelspielen kannte man bereits Spielkarten und eine frühe Version von Dame: Dabei gewann man, indem man die gegnerischen Spielsteine "umzingelte" und so weitere Züge des Gegners unmöglich machte. Wollte man als einfacher Bürger dem Brettspiel frönen, zeichnete man ein Spielgitter in den Staub oder ritzte eine Spielfläche in einen Stein. Auch das Wetten bei Pferderennen war beliebt und sorgte nicht selten für hohe Einsätze und entsprechende Verluste.

Schon bei den alten Griechen kam es vor, dass Spieler ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Schuld schrieb man zürnenden Götter zu, besonders der Schicksalsgöttin Moira, die unerbittlich den Lauf der Dinge vorantrieb. Wem dagegen das Glück hold war, der dankte den wohlwollenden Überirdischen wie dem Götterboten Hermes, dem man etwa die Erfindung des Würfelspiels zuschrieb.

Allerdings warf man die Würfel im alten Griechenland nicht nur zur Unterhaltung: Die mächtigen Götter Zeus, Poseidon und Hades entschieden vor Urzeiten mittels Würfelwurf, wer welchen Teil des Universums beherrschen solle. In dieser Tradition stand im alten Athen das Erlosen hoher Staatsämter, da man eine solche Zufallsentscheidung als besonders demokratisch und gerecht empfand, um Postenschacher und Ämterkulminationen zu verhindern.