Seien wir ehrlich: Autofahren in der Stadt macht keinen Spaß mehr. Zu viele Staus, zu wenige Parkplätze, unzählige Radfahrer, die sich längst als Kings of the Road gerieren oder als Drama Queens gebärden, sofern man nicht den gebotenen Respektabstand einhält. Jene, die vierrädrige Vehikel benutzen, sind in die Defensive geraten.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Und ich bin mir nicht sicher, ob der Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Batterieantrieb die Lage verbessert. Seltsamerweise scheint die Autoindustrie aus dem rasanten Wandel des Zeitgeists wenig bis nichts zu lernen. Oder ist der Konsument schuld? Immer noch laufen überwiegend übermotorisierte, voluminöse, ressourcenhungrige Luxuskarren vom Fließband. Erwin Wurm hätte an diesen Fat-Car-Parodien seine Freude. Smarte, innovative, pfiffige neue Ideen sucht man weithin vergebens. Zumindest in den Ausstellungsräumen der Fahrzeughändler, von Showcars und Designkonzepten hat der durchschnittliche Nutzer wenig. Die wenigen Ausnahmen kann man an den Fingern einer Hand abzählen.

Zu diesen Ausnahmen zählt der Honda e. Nicht, dass man hier das Rad neu erfunden hätte. Aber es schien lange so, als ob dieser Kleinwagen mit den herzigen Kindchenschema-Kulleraugen nur eine Vision bleiben sollte (wie es gerade auch beim elektrifizierten Retro-Opel Manta passiert). Andererseits sind die Japaner konsequent: Haben sie sich einmal in eine Fantasie verliebt, wird jede Manga-Skizze Realität. Hier ist aus dem Prototyp ein kantiges, handliches, wirklich schnuckeliges Stadtauto geworden, das versucht, einige Dinge anders zu machen als das Gros der Elektrokarren. Der Hang zur Zen-Philosophie, zur Simplifizierung bei gleichzeitiger Eleganz und Klarheit ist den Honda-Ingenieuren in vielen Details ein merkbares Anliegen.

Gut, am weit gespannten Bildschirm des Armaturenbretts - das tatsächlich Brettform hat - virtuell ein Aquarium einblenden zu können, ist dekadenter Firlefanz. Aber manch Kindskopf lässt sich genau von solchen Gags beeindrucken. Dazu zählen auch die Rückspiegel-Kameras, die auf kleinen Monitoren links und rechts (und auf Wunsch auch mittig) einen Blick zurück ermöglichen. Aber das ist Geschmackssache. Gilt auch für die Holzapplikationen, die Wohnzimmer-Atmosphäre versprühen. Wesentlich erscheint mir der insgesamt hohe Spaßfaktor des Autos. Man kann damit wirklich zackig durch die Metropolen dieses Planeten kurven und auch einen Ausflug aufs Land planen (wenn auch realistisch nur im Umkreis von hundert Kilometern). Eine wahlweise Einzelpedalsteuerung und ein Wendekreis von nur achteinhalb Metern sind da wesentliche Faktoren. Die per Knopfdruck aktivierbare Einparkhilfe ist auch, hm, nett.

Bleibt der Preis für das Vergnügen. Der ist beim Honda e leider doch ein bissl höher als, sagen wir, für eine Renault Zoe oder gar einen Elektro-Dacia. Irgendwie ist’s wie bei Computern: Für ein Exemplar von Apple, das insgesamt durchdachter ist als ein Windows-PC von der Stange, legt man gern einen Aufschlag drauf. Solange sie Autos nicht ganz aus der Stadt rauswerfen, soll das Herumgurken auch wirklich Freude bereiten.