In solchen Momenten möchte man gerne meinen, dass die ÖBB eventuell ja wirklich vom österreichischen Automobilverband gesponsert werden. Frei nach dem Motto: Wer dieses Theater dreimal mitmacht, der kauft sich garantiert ein Auto.
Wir stehen in der Schlange vor dem Fahrscheinautomaten und nichts geht weiter. Vor allem deshalb, weil der Mensch ganz vorne nicht versteht, was der Fahrzeugautomat von ihm will. Der Mensch trägt Muskelshirt und Jogginghose, immerhin soll es ins Wochenende gehen. Er blickt entschuldigend nach hinten. Das beruhigt die Menge auch nicht wirklich.
Wir befinden uns in einer einigermaßen guten Ausgangsposition. Und haben noch gut zwanzig Minuten bis zur Abfahrt. Meine Frau ist nicht nervös. Ich bin schon nervös. Ich hasse Fahrscheinautomaten. Fahrscheinautomaten sind mein natürlicher Feind in Maschinenform. Ich habe meine Tickets immer gerne bei Menschen gekauft. Das gibt es bald nur noch im Technischen Museum. Am Franz-Josefs-Bahnhof jedenfalls gibt es das nicht. Überhaupt ist hier relative Tristesse angesagt.
Die Dame in Schwarz versucht, mit einem Fünfziger zu bezahlen. Was nicht geht. Meine Frau weiß das schon. Die Dame in Schwarz weiß das nicht. Nach mehreren Versuchen geht sie ab. Nun kommt die Oma mit dem Wanderstock. Nun wird das Pärchen zwei Reihen hinter uns so richtig nervös.
Das Pärchen zwei Reihen hinter uns hatte vorher lautstark versucht, Fahrscheine übers Internet zu buchen. Was nicht funktioniert wegen dem Welan beim MacDonalds oder so. Das Pärchen will in denselben Zug wie wir. Aber halt eben hinter uns.
Seitlich schießt wer vor, um der Oma zu helfen. Die Oma will sich nicht helfen lassen. Der Disput bringt Einsicht. Im Grunde kapiert die Oma das Gerät, nur kann sie den Bildschirm nicht lesen, weil der einzige Fahrscheinautomat, den die ÖBB ihrer Kundschaft am Franz-Josefs-Bahnhof zur Verfügung stellt, vor der Tür unter freiem Himmel in der prallen Sonne steht. Der einzige. Das lassen wir uns auf der Zunge zergehen. Dann sind wir dran. Uns bleibt weniger Zeit als Hermann Maier hatte, damals in Japan, als er nach dem Abflug unbedingt gewinnen wollte. Wir haben es geschafft. Es war ähnlich spektakulär. Von wegen Nerven sparen bei der Bahn. Aber den Slogan gibt es, glaube ich, eh nicht mehr.