Farben spielen im Fußball eine wichtige Rolle. In Wien sagen wir: Die Violetten, das ist die Austria, die Grün-Weißen, das ist die Rapid. Die Fans tragen im Stadion die Vereinsleiberln und schwenken Schals in den Clubfarben. Als ich für mein Buch "Österreichisch fia Fuaßboifäns" den alten Fußballerjargon recherchierte, nahm ich mit einigen Legenden Kontakt auf: mit Alfred Körner, Rudi Flögel, Dolfi Blutsch, Heli Köglberger, Robert Sara, Funki Feurer, Schoko Schachner und Andi Ogris. Ich wollte meine fachsprachlichen Kenntnisse verifizieren - verstehe ich den "Eisenbahnerschmäh" richtig? - und mir unbekannte Ausdrücke sammeln: Was ist zum Beispiel "ein Schuss ins Gepäck"?

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Mit Schaudern erinnere ich mich, dass mir bei den Recherchen ein Fauxpas passiert ist. Zum Treffen mit Andi Ogris am "Verteilerkreis" trug ich unter dem Sakko ein Leiberl - nicht in Grün-Weiß, sondern in einem blässlichen, für Rapid eher untypischen Grün. Andi Ogris fragte trotzdem mit einem Blick auf meine Wäsch’: "Bist du von Rapid geschickt?" Mein Hinweis, dass ich bei allen Vereinen nach Fußballwörtern stöbere, beruhigte ihn. Es wurde ein amüsanter und ertragreicher Plausch.

Die Farbe der Wäsch’ ist auch bei Nationalmannschaften ein Thema. Vor kurzem ist der nordmazedonische Verband ins Fettnäpfchen getreten. Das Rot der neuen Dressen entsprach nicht jenem der Nationalfarben, es glich dem portugiesischen Rot. Na, mehr haben die Bosse nicht gebraucht. Innerhalb weniger Stunden brach ein Entrüstungssturm los, der Präsident machte kehrt, versprach neue Shirts mit dem richtigen Rot. Vielleicht spielten die Nordmazedonier deswegen gegen Österreich im weißen Auswärtstrikot.

Die Österreicher wiederum liefen nicht im rot-weiß-roten Heimtrikot auf, sondern ebenfalls in den Auswärtsdressen, seit 2019 sind sie schwarz-türkis. Damals tauchte der Verdacht auf, dass es sich um die alte und neue Farbe der ÖVP handle - ein Schelm, der so denkt. Die Hosen und Stutzen seien nicht türkis, sondern mintgrün, hieß es. Eine Nähe des ÖFB-Präsidenten zur großen Regierungspartei zu konstruieren, wäre in gleicher Weise eine boshafte Unterstellung gewesen. Nein, die neue Farbe ist einfach moderner als das althergebrachte Rot-Weiß-Rot. Das Design sei der "neue Jugendstil", wurde uns damals eingeredet, es symbolisiere "die schnelle und kreative Spielweise" der Österreicher. Schnelligkeit steckt auch im Puma-Logo. Das stilisierte Raubtier wurde türkis, pardon mintgrün eingefärbt.

Außerdem kreierte der Verband zusammen mit Puma einen neuen Wappenadler mit zehn Schwingen - gemeint sind die neun Landesverbände und die Bundesliga - eine blendende Idee. Die gesprengten Ketten (des Nationalsozialismus) sowie Hammer und Sichel (als Symbol der Arbeiter und Bauern) sind nicht mehr da. So gesehen prangt auf den Dressen - und auch auf den Trainingsanzügen - ein postmoderner Adler. Ein Jammer nur, dass die österreichischen Fans in ihrer Borniertheit weiterhin rot-weiß-rote Fahnen mit dem alten Bundesadler schwenken und rot-weiß-rote Leiberln und Kapperln tragen. Das ist altfatrisch. Es wird Zeit für ein schwarz-türkises Farbenmeer im Stadion!