Der spanische Fußball-Nationaltrainer Luis Enrique bei der Arbeit auf einer Kühlbox. Bei mir daheim machte Tage zuvor der Gefrierschrank Probleme. - © AFP / POOL / Jose Manuel Vidal
Der spanische Fußball-Nationaltrainer Luis Enrique bei der Arbeit auf einer Kühlbox. Bei mir daheim machte Tage zuvor der Gefrierschrank Probleme. - © AFP / POOL / Jose Manuel Vidal

"Mein Girl ist so kalt / Kalt wie ein Gefrierschrank / Oder ein Gletschersee": Erst vor kurzem musste ich bei einer lästigen Arbeit zu Hause an den Nino aus Wien und seinen Song "Abtauen Girl" denken. Grund dafür war allerdings gar kein "Girl" und stattdessen allein mein Gefrierschrank. Der blieb durch ein Missgeschick über Nacht offen – und am nächsten Tag hatte ich den Salat. Eine Art kleiner Gletschersee war bereits auf dem Küchenboden entstanden, wobei das Halbaufgetaute zumindest teils noch zu retten war. Ich musste mich dafür nur eine knappe Woche lang verhaltensauffällig und risikoreich ernähren, worüber ich an dieser Stelle aber schweigen will. Die Krankenversicherung könnte mitlesen und auf blöde Gedanken kommen.

Nicht mehr zu retten war der Tagesplan und anfangs auch meine Stimmung. Weil wer will schon an einem schönen Sommertag voller Sonne durch das prächtige Grün der Landschaft radeln, sich unter schattenspendenden Weiden an frischen Früchten delektieren und zur Abkühlung ins Wasser springen, wenn er stattdessen auch seinen Gefrierschrank abtauen und ihn nach allen Regeln der Küchenhygiene reinigen kann? In den Nachrichten lese ich immer von der Polar- und Gletscherschmelze, jetzt lade ich die internationale Glaziologenszene recht herzlich dazu ein, einmal in meine Gasse zu kommen. Das ewige Eis, bei mir existiert es noch!

Alles fließt

Und vielen Dank, ja, ich habe Ihre Ratschläge erhalten. Selbstverständlich könnte ich mit dem Schonhammer, den ich nicht besitze, weil ich vieles, aber bestimmt nicht der Selfman bin, ganze Blöcke aus Eis auf einmal freilegen und mir etwas dazuverdienen – der Tagesvorrat sämtlicher Cocktailbars der Stadt wäre gesichert. Oder ich könnte mich unter Zuhilfenahme eines Föhns auf den drohenden Stromschlag freuen. Lieber arbeite ich derzeit in einer Art Anger-Management-Therapie aber an meinem inneren Zen-Buddhisten. Om! Auch ein tatsächliches Eiszeitalter zieht sich.

Während andere im Gastgarten also gerade wieder auf den Bildschirm starren, um Tore zu zählen, schaue ich selbst in den Gefrierschrank hinein und beobachte meinen Hausgletscher, wie er zergeht – bis alles fließt. Auf wie viele Tropfen ich gekommen bin, ehe ich irgendwann während der Abenddämmerung wieder zu mir kam, weiß ich nicht. Vielleicht gurgle ich beim nächsten Mal aber eine Kanne Entspannungstee und hauche das Eis einfach an, damit am Ende nicht ein ganzer, sondern nur ein Dreiviertel-Tag im Eimer ist.

Apropos Fußball und im Eimer: Am Montag sah man die spanische Trainer-Fachkraft Luis Enrique beim Spiel seiner Mannschaft gegen die Schweden auf einer Kühlbox sitzen. Vermutlich war der Mann angesichts der laschen Leistung seines Teams innerlich vergletschert – oder es ging ihm der sprichwörtliche Arsch auf Grundeis. Hier habe ich als Neo-Mentalcoach einen Tipp: Luis, du musst es zulassen können! Das gilt freilich auch für Gefrierschranktüren.