"E-Roller sind cool", sagte mein Sohn und kündigte an, einen solchen zu bestellen. Er verdiente seit zwei Monaten eigenes Geld und wollte seine Unabhängigkeit durch erhöhte Mobilität feiern. Im Online-Handel hatte er sich umgeschaut und war fündig geworden: Ein giftgrüner Roller mit Einkaufskorb und Sitz sollte es werden. Sensationell günstig, nicht ganz 400 Euro! Die meisten anderen Modelle seien nicht unter tausend Euro zu haben!

Mütter sind langweilig, sie mahnen stets zur Vorsicht. Ich wurde meiner Rolle gerecht und fragte, ob der Roller stark genug sei, die Steigung zu uns herauf zu verkraften? Ob man wisse, wie lang der Roller sich nach einer Fahrt am Ladekabel erholen müsse? Für welches Höchstgewicht so ein Roller zugelassen sei? Ob er Licht habe? Welche Art von Bremsen? Ob man einen Helm brauche? Da riss meinem Sohn die Geduld und er begehrte zu erfahren, ob ich ihm denn seinen Roller unbedingt madigmachen müsse?

Nach zehn Tagen stellte die Post ein ziemlich großes Paket vor dem Haus ab. Als E. sich anschickte, das Paket zu öffnen, war ich nahe daran, ihn dabei zu filmen, wie ich das getan hatte, als er vier geworden war und er aufgeregt seinen ersten eigenen Traktor auspackte. Es war rührend zu sehen, dass sich jemand auch im coolsten denkbaren Jugendalter noch freuen kann wie ein Vierjähriger.

E. steckte den Roller an das Stromnetz an und montierte den Korb. Als das grüne Lämpchen aufleuchtete und signalisierte, dass der Akku aufgeladen war, fuhr er frohgemut in die Dämmerung hinein. Nach einer knappen Viertelstunde läutete mein Telefon: Der Roller bewegte sich nicht mehr. E. schob ihn nach Hause und steckte ihn wieder an. Nach rund zehn Minuten leuchtete die Lampe wieder grün, aber der Roller rührte sich nicht. Er setzte sich auch am nächsten Morgen nicht in Bewegung und auch nicht am Abend des nächsten Tages.

Zuerst versuchte ich, die Lieferfirma zu kontaktieren. Mit jedem Tag, den der Roller bei uns stand und niemand aus der Firma zurückrief oder -schrieb, schwand auch meine Geduld. E. hatte den Roller sowieso wie ein Vierjähriger, der von seinem Geschenk enttäuscht war, verstoßen. Also schrieb ich der Firma, dass wir den Roller lieber zurückgeben würden. Niemand antwortete.

Als die 30-Tage-Rückgabe-Grenze erreicht zu werden drohte, rief ich in der Firmenzentrale an. Dort nahm man nach eineinhalb Tagen immerhin den Hörer ab und eine freundliche junge Dame lud mich ein, den Roller einfach zurückschicken. E. war erleichtert. Heute habe ich jedoch entdeckt, dass wir vergessen haben, das Ladekabel mitzuschicken. Wenn der Wurm einmal drin ist, dann wird man ihn offenbar so schnell nicht mehr los.