Längst haben die modernen Methoden der Naturwissenschaften Einzug in die alte Geschichte gehalten und sorgen regelmäßig für unerwartete Erkenntnisse. Manchmal stellt man so auch fest, dass es die antiken Geschichtsschreiber mit der Wahrheit nicht immer ganz genau genommen haben, vor allem wenn es darum ging, die militärischen Gegner der Griechen als barbarisch und unehrenhaft darzustellen.

Bei Herodot, den man heute den "Vater der Geschichtsschreibung" nennt, und bei seinem späteren Kollegen Diodor findet sich etwa die Beschreibung eines bewaffneten Konflikts, der heute weitgehend vergessen ist, vor 2.500 Jahren aber die ganze Mittelmeerwelt in Atem hielt: Es ging um die Herrschaft über die an der Nordküste Siziliens gelegene Stadt Himera, eine Gründung von Griechen, die im 8. und 7. Jh. v. Chr. eine ganze Reihe von Kolonien in Süditalien und auf Sizilien anlegten.

Diese griechische Expansion war vor allem den Karthagern ein Dorn im Auge, schließlich beanspruchten die Bewohner der phönizischen Metropole in Nordafrika damals die Herrschaft über den westlichen Mittelmeerraum für sich. Sizilien spielte dabei eine Schlüsselrolle und Griechen wie Karthager versuchten, ihre dortigen Einflussbereiche auszudehnen und die Gegenseite zu schwächen. Die Nordküste Siziliens wurde eigentlich von den Karthagern kontrolliert, die daher wiederholt versuchten, das hier gelegene griechische Himera zu erobern. Bei Herodot heißt es, dass in der ersten Schlacht um Himera, die er ins Jahr 480 v. Chr. datiert, die Griechen einen glorreichen Sieg errungen hätten, und zwar aufgrund der militärischen Unterstützung aus anderen Städten Siziliens wie Syrakus und Akragas. Dagegen hätten die Karthager unehrenhaft auf die Kampfkraft von Söldnern vertraut und wären trotz starker Übermacht gescheitert.

Forscher der University of Georgia haben nun die sterblichen Überreste der Verteidiger von Himera untersuchen lassen und entdeckten dabei Erstaunliches: Aufgrund von Isotopenanalysen von Knochen und Zähnen stammten die Krieger keineswegs ausschließlich aus Sizilien, sondern zum großen Teil aus weiter entfernten Gegenden des Mittelmeerraumes, etwa aus der heutigen Türkei, vielleicht sogar aus Katalonien. Auch die griechische Seite setzte also gezielt auf Söldner, um sich militärische Vorteile zu verschaffen.

Als Himera 409 v. Chr. doch von den Karthagern erobert und zerstört wurde, bot sich ein anderes Bild: Nun standen auf griechischer Seite kaum mehr Söldner als Verteidiger zur Verfügung, worin sich die Aussagen der altgriechischen Geschichtsschreiber und die Ergebnisse der modernen Knochenuntersuchungen decken.