Es war eine zufällige zeitliche Koinzidenz, dass ich dieses Auto fuhr, als die Meldung eintrudelte. Des Inhalts, dass Audi plant, ab 2026 keine Fahrzeuge mehr mit Benzin- und Dieselmotoren zu bauen. Auch Hybrid-Modelle würden zu diesem Stichdatum auslaufen. Ein erstaunlich radikaler Schritt für einen deutschen Traditionshersteller. Danach - und der Zeitpunkt ist gerade einmal fünf Jahre entfernt - könne man von Audi nur mehr Elektroautos beziehen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Da es sich um eine Premiummarke des Volkswagen-Konzerns handelt, lässt dies Rückschlüsse auf die Gesamtstrategie des Unternehmens zu. "Es ist zu einem Überlebenskampf geworden", so ein Insider. Der Marktführer richtet sich technologisch eilends neu aus. Komplett. Das gilt auch für die Konkurrenz: Mercedes etwa will gleichfalls für das "Extremszenario" (so die "Wirtschaftswoche") eines europaweiten Verbots von Verbrennungsmotoren ab 2030 gerüstet sein.

Ich fuhr also, wie bestellt, einen Elektro-Volkswagen passend zur Begleitmusik. Einen ID.3. Jenes Modell, das - wenn ich die Werbebotschaften recht verstanden habe - zum neuen Urmeter der Massen-Mobilisierung auf vier Rädern werden soll. Das ist freilich ein wenig zugespitzt, weil Volkswagen (nomen est omen!) ja schon jede Menge alternative E-Wägelchen im Angebot hatte und auch in Zukunft haben wird. Der ID.3 ist aber der Golf der Neuzeit. Und wird wohl, sowohl von Seiten des Konzerns wie auch der Konsumenten, mit ähnlichen Erwartungen, Interessen und Hoffnungen begleitet.

Das Fahrzeug kam erst vor wenigen Monaten auf den Markt. Es hat noch die eine oder andere Kinderkrankheit (das zeigt ein Google-Schnellcheck). Dennoch erscheint mir die Kritik an Spaltmaßen, spinnerter Elektronik oder billigen Plastikmaterialien eher kleinkrämerisch. Die Frage muss lauten: Was kann dieses Mobil, was bisherige Volkswägen nicht konnten? Zumindest gleich gut nämlich. Im Idealfall: klar besser. Der alte E-Golf z.B., den ich durchaus gern getestet habe, krankte an mangelnder Reichweite. Der ID.3, das erste Modell auf Basis des neuen "Modularen Elektrifizierungsbaukastens" (MEB), sollte da schon deutlich zulegen. Tatsächlich kam ich mit einmal kurz Nachladen von Wien nach Linz und wieder zurück.

Aber auch das ist nebensächlich. Solange keine Batterien-Revolution eintritt - die uns in Sensationsmeldungen ja fast wöchentlich versprochen wird! -, wird die Langstrecken-Tauglichkeit von Stromern nicht dieselbe sein wie von Verbrennern. Und? Man nehme den Zug. E-Autos sind anno 2021 optimal für den Stadtverkehr oder für das Pendeln zum Arbeitsplatz, wenn man da oder dort eine Lademöglichkeit hat. Und der Strom vergleichsweise billig bleibt (derzeit sind die Abrechnungsmodelle eher undurchschaubar). Jenseits kühler Strategien: Will man Vernunftautos wirklich sexy machen, müssen die Hersteller die Emotionalisierung wagen.

Das gilt insbesondere für den glatten, fast aseptischen, Bauhaus-artigen ID.3. Das Modell fährt sich wie ein Kühlschrank. Immerhin einer solidester Bauart. Der Typ schlägt inzwischen Tesla in der Zulassungsstatistik. Aber wird er ein echter Volkswagen werden?